“Sieht aus wie eine Kapitulation“

Friedenskämpfer wollten nach 10 Minuten wieder gehen, da hielt sie ein Major auf

Delitzsch. Gestern nachmittag ging die Bundeswehr-Ausstellung im Stadtpark zu Ende. Vier Tage lang stand schwere Militärtechnik auf dem Hartplatz, sprachen Soldaten mit Zivilisten über ihren Dienst in der Armee und ihren politischen Auftrag. Demonstranten aus Leipzig, Delitzsch und Umgebung protestierten am Sonnabend gegen die Luftwaffenschau. Bei einer Fallschirmsprungvorführung verunglückte gestern mittag ein Soldat. 

Mit Diktaphonen, Klingeln und Pfeifen wollten die Demonstranten am Sonnabend mittag die Ausstellung stören. Etwa 70 zumeist jugendliche Friedenskämpfer standen vor dem Eingang und verkündeten ihre Parolen.

Vorurteil abgebaut

Von KLAUS STAEUBERT 
Fliegende Steine und Molotowcoctails, brennende Autos, Gummiknüppel, Wasserwerfer, blutüberströmte Gesichter, heulende Sirenen und Krankenwagen – kurz: Szenen der Gewalt sind es, die vielen immer wieder vor Augen kommen, sobald politisch motivierte Aktionen angekündigt werden. Das verwundert nicht, denn Beispiele für solche Straßenschlachten gibt es in unserer jüngeren Geschichte zur Genüge. Daß aber längst nicht überall Krawallmacher unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit durch die Straßen ziehen, zeigte am Wochenende Delitzsch einmal mehr. Die Pazifisten, die da am Sonnabend mit ihren Fahrrädern an den Lober kamen, um ihrem Unmut über Nato-Bomben in Jugoslawien und die zeitgleiche Bundeswehrausstellung Luft zu machen, warfen das Chaoten-Vorurteil über den Haufen. Das war für unsere Demokratie sehr wichtig. 
Nach einem zehnminütigen Dialog mit dem Leiter der Ausstellung, Major Jens Langer, wollten die Friedenskämpfer essen gehen und nur die Provokation des Majors (0- Ton: “Sieht aus wie eine Kapitulation.“) ließ eine erneute Diskussion aufkommen. Dennoch hielten es die Radler nur 30 Minuten aus und verschwanden dann in

Jörg Langer
Initiierte den Dialog mit den Demonstranten: Major Langer...
S*****
...Gesprächspartner auf der Seite der Ausstellungsgegner: S*****
Richtung Bürgerhaus. Einer Einladung aufs Gelände zu Diskussionen mit den Soldaten folgten nur vereinzelte Demonstranten.
Am Bürgerhaus verteilte die PDS an die 50 Leipziger und 20 Delitzscher Schmalzstullen und Marmeladenbrote.
Der Leipziger Verein Friedensweg e. V. existiert seit vier Jahren. Aus den Ostermärschen entstanden, wollte man sich ein so nahes Ziel (nur 25 Kilometer) nicht entgehen lassen. “In Zeiten des Kosovokrieges, wo auch deutsche Flugzeuge Bomben werfen, eine Luftwaffenausstellung zu machen, ist ein Verbrechen“, schrie Vereinssprecher S***** über den Platz.
Alles in allem war die Demo nur ein kleiner Programmpunkt auf dem viertägigen Ausstellungskalender. Sicherlich regte die Diskussion auch bei den Umstehenden an, über die Rolle der Nato im Kosovokrieg nachzudenken.

Fallschirmspringer verunglückt

Gestern, am letzten Tag der Luftwaffenausstellung der Bundeswehr in Delitzsch, verunglückte gegen Mittag ein Fallschirmspringer und mußte mit mehreren Knochenbrüchen, Prellungen und einem ausgekugelten Arm ins Delitzscher Kran- kenhaus eingeliefert werden. Der Springer verfing sich bei der Landung mit dem Schirm in einem Baum und stürzte auf ein darunter stehendes Militärfahrzeug.
erschienen in: Leipziger Volkszeitung, Delitzscher Regionalausgabe vom 17.5.1999