Dieses Dokument ist Teil des Buches „Wie geschmiert - Rüstungsproduktion und Waffenhandel im Raum Hamburg“, 1998

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SGH Spezial Gerätebau Hamburg GmbH

20354 Hamburg (Neustadt), neuer Wall 42
früher: Hamburg (Finkenwerder), Hein-Sass-Weg 28

Kapital: 5,05 Mio. DM
Beschäftigte: 300 (1983)
Umsatz: 55 Mio. DM (1983)
Geschäftsführer: Ephraim Halpern (bis 1983), F. Michael Bömke



Die SGH wurde 1978 als 100prozentiges Tochterunternehmen des israelischen Elektronik- und Rüstungskonzerns Tadiran Isräl Electronics Ltd., Tel Aviv, gegründet.

Anlass für die Gründung der Firma war 1978 offensichtlich ein 45-Millionen-Auftrag der Bundeswehr, den die Vorgängerfirma, die Bau- und Montage GmbH, wegen Konkurses nicht mehr ausführen konnte. Tadiran sicherte sich den Auftrag mit der Zusage gegenüber der Hamburger Wirtschaftsbehörde, den Betrieb in Finkenwerder längerfristig weiterzuführen. 20 Die SGH produzierte dann für die Bundeswehr "transportable Fernmeldekabinen für diverse Einsatzmöglichkeiten".21 In einer Anzeige hiess es 1983: "SGH bietet eine grosse Shelter-Familie, die deutschen, amerikanischen und NATO-Forderungen entspricht."22 Neben den mobilen Funkkabinen fertigte die Tadiran-Tochter - zumindest laut Hamburger Abendblatt - "auch Spezialcontainer für Raketen und andere Geschützmunition der Marine".23

Zum Geschäftsführer der SGH berief die Konzernleitung in Tel Aviv 1980 ihren Manager Ephraim Halpern, einen ehemaligen Major der israelischen Luftwaffe. Halpern wurde am 13. September 1983 Opfer eines Anschlags: Er wurde vor seiner Wohnung in der Rothenbaumchaussee (Harvestehude) erschossen.24 Zwei Wochen später traf ein Bekennerbrief ein, in dem eine Gruppe namens "17. September Sabra und Chatila Organisation" die Verantwortung für die Tat übernahm. Ein Jahr zuvor waren in den zwei palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Chatila in Beirut 3.000 Menschen von den mit Israel verbündeten Falange-Milizen ermordet worden. Wer Halpern tatsächlich umgebracht hat, ist bis heute unklar.

Nach Halperns Tod übernahm der Hamburger Anwalt Dr. F. Michäl Bömke bei der SGH die Geschäftsführung. Während der Produktionsbetrieb in Finkenwerder schon vor Jahren (um 1987) eingestellt worden ist, existiert die SGH als 100prozentige Tochter von Tadiran Limited (Sitz jetzt Holon, Israel) weiter -nun offenbar mit der Aufgabe einer Handelsvertretung.25 Firmensitz ist die Anwaltskanzlei Bollmann, Kiesselbach & Partner am neuen Wall, in der Bömke tätig ist.




Anmerkungen:

(20) Rüstung in und um Hamburg, Hamburg 2. erweit. Aufl. 1981, S. 35f..
(21) Handbuch der Bundeswehr und der Verteidigungsindustrie, München 1981 (Anzeige).
(22) Wehrtechnik Nr. 6/1983, S. 99; zu Tadiran insgesamt vgl. Wehrtechnik Nr. 10/1983, S. 84ff..
(23) Hamburger Abendblatt 15.9.1983.
(24) Hamburger Abendblatt 15.9., 16.9. und 27.9.1983.
(25) Commerzbank: wer gehört zu wem, Frankfurt a.M. 19. Aufl. 1997, S. 920; Handelsregister Hamburg HR B 22341.