21. Juli 2008
Kurdische Guerilla hat
deutsche Bergsteiger freigelassen –
Politik darf nicht zur Tagesordnung Übergehen
AZADÎ begrüßt die Freilassung der drei Alpinisten, weil jeder weitere
Entführungstag deren Situation hätte schwieriger machen können.
Und weil der bestehende türkisch-kurdische Konflikt auf diese Weise
sicher nicht gelöst werden kann. Aber ebenso wenig mit
Militäroperationen der türkischen Armee gegen die kurdische Guerilla
oder Angriffen auf Kurd(inn)en und ihre Institutionen. Solange ihnen
eine politische, kulturelle und soziale Anerkennung verwehrt wird und
ihnen zustehende Rechte vorenthalten werden, rückt eine Konfliktlösung
in immer weitere Ferne. Es ist an der Zeit, Antworten zu geben auf die
dringlichen und seit Jahrzehnten offen gelassenen Fragen. Die
Unbeugsamkeit, das Verschweigen, die Ignoranz und Arroganz im Umgang mit
den Kurdinnen und Kurden, muss beendet werden.
Diese Forderung richtet sich nicht nur an die Türkei, sondern auch an
die politisch Verantwortlichen in Deutschland, die sich in den
vergangenen Jahren überwiegend dadurch hervorgetan haben, den
Repressionskurs des NATO-Partners gegen die Kurden zu unterstützen. Seit
1993, als Bundesinnenminister Manfred Kanther das Betätigungsverbot der
PKK erließ, haben sich alle Amtsnachfolger – unabhängig von ihrer
Parteizugehörigkeit – in dieser Frage als hardliner überboten. Statt
sich mit den Veränderungen der kurdischen Bewegung dialogisch
auseinanderzusetzen, wurde die Liste der Verbote und
Repressionsmaßnahmen stetig länger. Keiner Bundesregierung war bislang
daran gelegen, die Situation besonders der der politisch aktiven Kurden
zu entspannen.
Das zeigte das jüngst von Innenminister Wolfgang Schäuble verfügte
Verbot des kurdischen Fernsehsenders ROJ, wohl wissend, dass er damit
den Nerv der Kurden trifft. Derlei Provokationen tragen nur zur
Verschärfung des Konflikts und Verlängerung des Kriegszustands in
Türkei-Kurdistan bei.
Die Politik muss diesen verhängnisvollen Konfrontationskurs verlassen.
Eine Aufhebung des PKK-Betätigungsverbots und die Wiederzulassung von
ROJ TV wären die richtigen Signale.