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Presseschau: Erstes Europäisches Sozialforum in Florenz

Berichte aus der Bewegung

zu den artikeln to the articles

Berichte aus Zeitungen und anderen etablierte Medien

Hier verzichten wir auf Links, da sie sich oft ändern oder die Texte plötzlich verschwinden. Statt dessen liefern wir den Inhalt direkt, den wir mittels der Nachrichten-Suchmaschinen von Paperboy.de, Paperazzi.de, Google.com, Altavista.de und Yahoo.de und durch gezieltes Stochern im deutschsprachigen Web gefunden haben. Natürlich ist die Liste unvollständig. Berichte aus dem Vorfeld des ESF (Berlusconis Panikmache, brav abgeschrieben von FR, Spiegel und anderen) wurden hier weggelassen. Leider konnten wir noch keine Zeitungsberichte über die 1000 bis 2000 an den Grenzen Zurückgewiesenen hier einstellen. Auch fehlen Angaben über die vielen, die am Samstag demonstrieren wollten, aber nicht nach Florenz eingelassenen wurden. Die Reihenfolge ist grob chronologisch:

Durch Nichtberichten aufgefallen sind Deutschlandradio und Deutschlandfunk (soweit sich das anhand der Website feststellen lässt). Viele Blätter wie der Spiegel und die FAZ speisen sich nur aus dürftigen Agenturmeldungen. Aus der englischsprachigen Presse haben wir nur beispielhaft eine amerikanische, zwei britische und eine israelische Zeitung aufgeführt; außerdem eine Agenturmeldung aus Italien. Mit news.google.com findet man aber auch Artikel aus Australien, Brunei, China, Indien, Irland, Kuba, dem Libanon, Neuseeland, Singapur und Südafrika. Ganz zu schweigen von Artikeln in weiteren Sprachen.

Leider ist die Presseschau damit nicht beendet. Eine Woche nach dem Sozialforum setzte eine Repressionswelle in Italien ein. Stellvertretend für die Empörung, die die 20 Verhaftungen auch in Deurschland auslösten, steht der offene Brief Günter Melles, den attac-Saar dem Italienischen Konsulat in Saarbrücken am 19.11.2002 überbracht hat.

Presseberichte zu den 20 Verhaftungen und den Protesten dagegen:


2002-11-05-dpa

Quelle: http://www.vistaverde.de/news/Politik/0211/05_sozialforum.htm

VistaVerde / dpa
05.11.2002

Europäisches Sozialforum:

Globalisierungs-Kritiker treffen sich in Florenz

Weit mehr als 10.000 Globalisierungs-Kritiker aus ganz Europa werden
an diesem Mittwoch zu einer fünftägigen Konferenz in Florenz erwartet.

Florenz (dpa) - Das « Erste Europäische Sozialforum » will gemeinsame
Strategien zur Bekämpfung einer ungehemmten wirtschaftlichen
Globalisierung erörtern, steht aber auch deutlich im Zeichen eines
drohenden Krieges gegen den Irak. Die italienischen Behörden fürchten
Ausschreitungen und haben bereits zahlreichen Teilnehmern die Einreise
verweigert. Aus Furcht vor Anschlägen wurde der Luftraum über Florenz
gesperrt.

Das Treffen, an dem auch mehr als 1000 Deutsche teilnehmen wollen,
versteht sich als Folgekonferenz des « Weltsozialforums » Anfang des
Jahres in Porto Alegre in Brasilien. Hauptthemen sind « Krieg und
Frieden », « Globalisierung und Neoliberalismus » sowie « Bürgerrechte und
Demokratie ». Zu einer Demonstration am Samstag werden bis zu 200.000
Teilnehmer erwartet.

Um gewaltbereite Extremisten fern zu halten, haben die italienischen
Behörden das Schengen-Abkommen bis zum Konferenzende am Sonntag
aufgehoben. Seit dem vergangenen Wochenende führt Italien an den
Grenzen zu Österreich, der Schweiz und Frankreich wieder
Grenzkontrollen durch. Die Veranstalter werteten dies als « bewussten
Versuch, die Konferenz zu kriminalisieren ».

Der italienischen Regierung geht es vor allem darum, blutige
Zusammenstöße wie am Rande des G-8-Gipfels im Juli 2001 in Genua zu
verhindern: Damals erschoss ein Polizist einen jungen Italiener, mehr
als 200 junge Leute wurden bei den Ausschreitungen verletzt.

In Florenz sind über 6000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Sie sollen
auch die Museen und die Denkmäler der Toskana-Metropole
schützen. Zeitweise hatte die Regierung erwogen, die Konferenz zu
verbieten. Jetzt hieß es, die Museen in Florenz sollten geöffnet
bleiben.

In Hunderten von Workshops und Seminaren sollen Probleme wie die
zunehmende Verarmung in der Dritten Welt, die Zerstörung der Umwelt
sowie « die Diktatur der ungehemmten Finanz- und Warenströme »
untersucht werden. Das Moto der Veranstaltung heißt: « Für eine bessere
Welt, für ein anderes Europa ». Auch zahlreiche Gewerkschafter und
Vertreter von Linksparteien wollen nach Florenz kommen.


2002-11-06-afp

Artikel-URL: http://de.news.yahoo.com/021106/286/3200l.html

Mittwoch 6. November 2002, 19:07 Uhr
Hunderte demonstrieren vor US-Basis in Italien gegen Irak-Krieg

(AFP) Vor Beginn eines Treffens von Globalisierungskritikern in Florenz
haben vor einer US-Militärbasis in der Toskana tausende Menschen gegen
einen Irak-Krieg demonstriert. Die Demonstranten reisten am
Mittwochnachmittag in Sonderzügen und -bussen nach Pisa, um an der
Kundgebung vor dem US-Stützpunkt Camp Darby teilzunehmen. Nach
Schätzungen der Polizei nahmen "mehrere tausend" Menschen an der
Demonstration teil, die Organisatoren sprachen von bis zu 4000
Teilnehmern. Einer der Organisatoren sagte, die USA wollten sich bei
dem möglichen Angriff auf Irak mit militärischer Macht die Rohstoffe
der Region unter ihre Kontrolle bringen.

Copyright © 2002 AFP


2002-11-06-ap_amnesty

Artikel-URL: http://de.news.yahoo.com/021106/12/32005.html

Mittwoch 6. November 2002, 19:03 Uhr
Amnesty fordert Italien zur Einhaltung der Menschenrechte auf

Bern (AP) Zur Eröffnung des Europäischen Sozialforums am Mittwoch in
Florenz hat Amnesty International die italienischen Behörden zur
Einhaltung der Menschenrechte aufgefordert. Diese seien von den
italienischen Sicherheitskräften in letzter Zeit wiederholt verletzt
worden, wenn es um die öffentliche Ordnung bei internationalen Treffen
und Massendemonstrationen gegangen sei, erklärte Amnesty.

Menschen seien willkürlich und teilweise mit übermäßiger Polizeigewalt
verhaftet und daran gehindert worden, ihre Meinung frei zu äußern. Auch
die Rechte während der Haft seien missachtet worden.

Schweizer Globalisierungsgegner erklärten, eine vierköpfige Reisegruppe
sei an der Grenze zu Italien zur Umkehr gezwungen worden. Als die drei
Männer und die Frau dagegen protestiert hätten, seien sie von den
italienischen Grenzwächtern « brutal » verhaftet worden, so dass ein
Aktivist aus dem Mund geblutet habe.


Copyright © 2002 AP.


2002-11-08-netzeitung

URL dieses Artikels: http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&=214579

Sozialforum gegen Militarisierung der EU
08. Nov 2002 15:35

Auf dem Europäischen Sozialforum in Florenz debattieren mehr als 20.000
Globalisierungskritiker, darunter auch Gewerkschaftsvertreter. Friedensgruppen
wenden sich « Präventivkriege ».

Die Teilnehmer des Europäischen Sozialforums in Florenz haben der Europäischen
Union eine zunehmende Militarisierung vorgeworfen. Zu der Konferenz haben sich
mehr als 20.000 Globalisierungskritiker in der italienischen Stadt versammelt.

Das erweiterte Europa sei in Begriff, sich von einem « Wirtschafts- zu einem
Militärbündnis » zu wandeln, sagte Tobias Pflüger von der Tübinger
Informationsstelle Militarisierung. « Bei der geplanten EU-Truppe geht es nicht
um Verteidigung, sondern um Angriff. » Gemeinsam mit Vertretern internationaler
Friedensgruppen sprach er sich gegen « Präventivkriege » und den « 
niedrig-schwelligen Einsatz von Atomwaffen » aus.

Die Amerikanerin Susan George verurteilte den Versuch von Präsident George W.
Bush, das « US-Kriegsmodell nach Europa zu exportieren ». Auch in den USA gebe es
eine breite Friedensbewegung, sagte Coline Kelly von einer Gruppe Angehöriger
der Opfer des 11. September. Doch wie das Beispiel der großen
Friedensdemonstration in Washington zeige, werde sie von den Medien weitgehend
ignoriert.

An dem Sozialforum nehmen neben den Gruppen der Anti-Globalisierungsbewegung
auch Vertreter von traditionellen politischen Kräften teil, darunter viele
Gewerkschafter. « Wenn die Gewerkschaften sich nicht auf die neuen Bewegungen
einstellen, ist das ihr Ende », sagte Stephan Krull von der IG-Metall in
Wolfsburg. Von den Arbeitnehmervertretern wurde auf einer der Debatten
gefordert, sie sollten wieder « kämpferischer » auftreten.

« Reformistische Linke ist tot »

Ebenfalls auf der Konferenz war der Vorsitzende der italienischen Partei der
kommunistischen Wiedergründung, Fausto Bertinotti. Er erklärte die « 
reformistische Linke » für tot. Sie habe sich überflüssig gemacht, indem sie
sich dem Neoliberalismus unterworfen habe.

An vielen Orten in Florenz kam es am heutigen Freitag zu kleineren, friedlichen
Protestaktionen. Für morgen ist eine große Kundgebung geplant, zu der 200.000
Globalisierungs- und Kriegsgegner erwartet werden. (nz)


MEHR IN DER NETZEITUNG
Demonstranten an Grenze zu Italien abgewiesen
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=214267
200.000 Demonstranten bei Sozialgipfel in Florenz erwartet
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=214081
Krawalle bei Sozialforum in Florenz befürchtet
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=213616

Alle Rechte © 2002 NZ Netzeitung GmbH


2002-11-08-guardian

Quelle: http://politics.guardian.co.uk/green/story/0,9061,836411,00.html

Florence besieged by army of freethinkers

25,000 anti-globalisation activists converge for four days of debate
on peaceful social change

John Vidal in Florence
Friday November 8, 2002
The Guardian

Florence was yesterday under siege, not from hordes of violent
anti-capitalists intent on destroying the city's artworks, as the
Italian prime minister, Silvio Berlusconi, predicted earlier this
week, but from legions of emerging political and social ideas which
many believe could refresh global democracy and the traditional
European left.

While the authorities have played up a possible repeat of the Genoa G8
clashes last year that saw one man killed, tear gas, running battles
and deep embarrassment for the Italian government, the 25,000 people
who have gathered for the first European social forum are mostly
locked in a bewildering variety of debates and discussions at an old
fort.

No one denies that obscure fringe elements may seek to settle scores
with the police at tomorrow's anti-war march, which is expected to
attract 100,000 people, but yesterday's emphasis was firmly on
peaceful change and the evolution of political ideas rather than
revolution.

The forum, set up as a pro-democracy organisation to bring together
broad social movements, says it has no intention beyond stimulating
debate and giving a voice to people who are marginalised, or who seek
political change. Its agenda is set by the participants and it expects
to issue no formal statement of aspirations - or indeed, to reach any
conclusions.

Six thousand armed police are on standby, but a demonstration by 5,000
people against a nearby US air force base outside Florence passed off
peacefully.

Despite this, all McDonald's restaurants in the city, Shell petrol
stations, many exclusive shops and small traders barricaded their
premises or closed up.  But many locals were appalled that the
authorities and press had, they alleged, deliberately misrepresented
the four-day conference. "Red Tuscany welcomes you," said one defiant
shopkeeper.

One of the participants at the forum, Dr Tony Caravas from Athens,
said: "This is a coming of age for the anti-globalisation
movement. For the first time people have gathered from across Europe
and other continents, not to oppose an organisation or world leaders,
but to come up with ideas for change. There are people here from very
many political traditions and cultures who want to find new ways to
resist what is happening in the world. Now the problem is to describe
the world that we want."

Michelle Roberts, a teacher from Bordeaux, added: "This is the new
politics.  People are excited. Everyone has come for the same thing -
to understand what is happening, question the present system of
politics and propose changes."

The 25,000 people of all ages, from 475 groups and more than 100
countries, are meeting in halls and many smaller workshops around the
city. The more than 400 debates range from anti-militarism to
vegetarianism, world debt and social control, to African development,
industrial food, religions, European responsibilities, migrants, human
rights and energy.

Yesterday dissidents and high profile authors and politicians spoke,
including the Italian Nobel literature prizewinner Dario Fo, the
French farm leader José Bové, US activists Ralph Nader and Naomi
Klein, Tariq Ali and Vandana Shiva.

"In four days here I can learn more about what is happening in the
world than I could in four years watching TV," said a local
student. "This is my education.  We are not told what is happening in
the press, we are spoon-fed what the authorities want us to hear."

High on the agenda are the perceived erosion of democracy, the role of
political parties, alternatives to privatisation and the threat of
multinationals. "The background to all debates is the growing
worldwide opposition to the 'neoliberal' politics espoused by G8
countries," one conference organiser said.

The name and form of the meetings is borrowed from the influential
world social forum held annually in Porto Alegre, Brazil. This adopted
the slogan "another world is possible" and was set up to counter the
world economic forum held in Davos, Switzerland, each year, which
attracts leading financiers, politicians and establishment thinkers.

"What is being attempted is a loose organisational form to the anti
capitalist movement," a forum spokesman said. "The sheer volume and
diversity of ideas means we'll never get point by point consensus, but
there are key things like war, racism and neoliberalism that we can
agree on."

Trade unions, communist groups, socialists, environmentalists,
anarchists and greens are all represented. Most say they have put
aside their traditional rivalries, at least for the duration of the
meeting. "Out of this chaos of ideas and experiences, we can all learn
and and change our views," a French socialist said.

"It's an incredible symbol of hope," said Caroline Lucas, Britain's
only Green MEP. "It shows there is a great deal of common ground
between disparate groups and people."

Nevertheless, the intellectual and political fault lines are apparent
after just one day of talks. Many people at the meeting reject
capitalism entirely, others seek to reform it. Some were yesterday
trying to discount the idea of working classes, others were calling
for more union rights.

"This is like a supermarket of ideas. You can pick and choose. But at
least you have real debate and choice," said Rinadini, a jobless
Italian who is staying with thousands of others in a sports hall.

---

The following apology was printed in the Guardian's Corrections and
Clarifications column, Saturday November 9, 2002

Caroline Lucas is not "Britain's only Green MEP", as she was described in this
report. We overlooked Jean Lambert, the Green MEP for London. Apologies.

---

Guardian Unlimited © Guardian Newspapers Limited 2002


2002-11-09-dw

Quelle: http://dw-world.de/german/0,3367,3645_A_671830_1_A,00.html

Deutsche Welle
08.11.2002

Europäisches Sozialforum in Florenz

   Im Zentrum des Treffens der europäischen Alternativen stehen der
   drohende Krieg im Irak und eine Antwort auf die negativen Folgen
   der globalen Ökonomie.

Trotz der Bedenken der italienischen Regierung unter Silvio
Berlusconi: Das Europäische Sozialforum erweckt nicht den Anschein
einer Radau-Tribüne mit gewaltbereiten Chaoten. In Florenz wird weiter
nach konkreten Alternativen zu den Auswüchsen eines Turbo-Kapitalismus
mit entfesselten Finanzmärkten gesucht. Hugo Braun von
attac-Deutschland erläutert, welche Ziele bei den Workshops und
Diskussionsveranstaltungen weiter im Vordergrund stehen:

"Dass der internationale Kapitalmarkt ein Kontrollinstrument bekommt.
Wir haben mit unseren Freunden aus Frankreich einen Ansatzpunkt in der
Besteuerung der internationalen Devisen-Transfers gefunden - in der
Erfindung eines ganz bürgerlichen Wissenschaftlers, dieses Herrn
Tobin, womit wir auf eine ganz breite Resonanz gestoßen sind, bei den
Gegnern und den Befürtern. Und bei den Gegnern stellt sich
interessanterweise heraus, dass sie gar nicht so ängstlich sind, um
die 0,1 Prozent Steuer"

Die Befürchtungen gehen nach Meinung von attac eher in die Richtung,
dass der Kapitalmarkt überhaupt kontrolliert werden soll. Daher bleibt
eine Steuer nach dem Tobin-Muster wohl auch in Zukunft reine Illusion.

Konkret spürbar ist dagegen bei den Teilnehmern die Angst vor einem
Krieg im Irak. So diskutieren die verschiedenen europäischen
Friedensbewegungen in Florenz Möglichkeiten, den amerikanischen
Irak-Feldzug zu verhindern. Stefan Ziefle ist deshalb aus Hamburg in
die Toskana gekommen:

"Also ich denke, dass von hier ein Impuls ausgehen kann an die
sozialen Bewegungen, an die Antikriegsbewegungen in ganz Europa. Ich
habe ganz speziell die Hoffnungen, dass die rund 1000 Deutschen, die
hier sind, tatsächlich die Vernetzung vorantreiben können und wir uns
hier tatsächlich auf eine einheitliche Vorgehensweise in der Frage des
Irak-Krieges einigen können, was eine sehr große Unterstützung wäre
für die Antikriegs-Bewegung in Deutschland."

Die Bewohner in Florenz fürchten sich hingegen zum Schauplatz einer
militanten Auseinandersetzung zwischen gewaltbereiten Chaoten und der
italienischen Polizei zu werden. Seit Tagen bereiten sich die Bewohner
auf den Belagerungszustand vor. Mc-Donald's-Filialen montierten ihre
Schilder ab, Luxus-Läden, Hotels und Restaurants sperren die Türen zu.
Allein 6.000 Polizisten sind zum Schutze der Stadt abgestellt, 250
exponierte Kunstdenkmäler werden rund um die Uhr bewacht. Von Seiten
der Globalisierungskritiker ist inzwischen eine gesamteuropäische
Antikriegs-Demonstration in Sachen Irak geplant. Stefan Ziefle
begründet, warum er die kritische Haltung der Regierung in Berlin für
richtig hält:

"Ich bin gegen eine deutsche Beteiligung und gegen einen Angriff
sowieso und ich begrüsse sehr stark, dass die Bundesregierung da eine
eindeutige Position eingenommen hat, wobei ich denke, dass die
Antikriegsbewegung weiter eine sehr wichtige Aufgabe hat, dass die
Bundesregierung dem US-Druck nicht nachgibt, was leider im Moment
passiert - also Überflugsrechte über Deutschland, die US-Basen in
Deutschland, der Ersatz von US-Truppen Afghanistan mit deutschen
Soldaten, alle diese direkte und indirekte Unterstützung. Ich denke,
wir haben dafür zu sorgen, dass das aufhört."

Bevor das Sozialforum von Literaturnobelpreisträger Dario Fo eröffnet
wurde, demonstrierten nur ein paar Globalisierungsgegner vor den Toren
einer italienischen US-Militärbasis. Außerdem werden Proteste gegen
die kommenden EU-Gipfel, die WTO-Tagung in Mexiko und das Treffen der
G 8 im französischen Evian vorbereitet.

http://www.dw-world.de © Deutsche Welle


2002-11-09-ap

Quelle: http://de.news.yahoo.com/021109/12/326ap.html

Associated Press (AP)

Samstag 9. November 2002, 19:28 Uhr
"Ein Jahrmarkt, keine Revolution"

Florenz (AP) Für Ole, Anna und Bastian, drei junge deutsche Teilnehmer
des Europäischen Sozialforums, sind die strengen
Sicherheitsvorkehrungen zum Europäischen Sozialforum der
Globalisierungsgegner überzogen: « Alles Panikmache! Das ist hier eher
ein Jahrmarkt, keine Revolution », sagt die 18-jährige Anna Kossack aus
Kassel.

Ihr Bus sei am Dienstag über zwei Stunden an der Grenze kontrolliert
worden. Zwei Personen sind zurückgewiesen worden, den Grund hat man
ihnen nicht gesagt. « Wir haben schon das Schlimmste befürchtet in
Florenz, aber die Menschen sind hier nett und freundlich, die
Atmosphäre völlig entspannt! »

Friedlich begann am Samstag - wegen des großen Andrangs früher als
geplant - die Großkundgebung gegen einen Irak-Krieg und
Globalisierungsfolgen. Die Zahl der Teilnehmer wurde auf bis zu 400.000
geschätzt. Die drei großen Themen der dreitägigen Veranstaltung waren
Neoliberalismus und Globalisierung, Krieg und Frieden, Menschen- und
Bürgerrechte - alles unter dem Motto « Ein anderes Europa ist möglich! »

Rund 400 Organisationen aus über 100 Ländern nahmen an mehr als zehn
Konferenzen, über 60 Seminaren und unzähligen Workshops teil. Der
Tagungsort, die Fortezza da Basso, gleicht eher einem Jahrmarkt als
einem kriegerischem Befestigungslager. Überall hingen Plakate in den
unterschiedlichsten Sprachen, wurden Zeitungen verkauft, wurde
diskutiert.

Ole, Anna und Bastian übernachteten in einem öffentlichem Gebäude, das
die Stadt Florenz eigens für die angereisten Ausländer zur Verfügung
gestellt hat. Die drei Deutschen sind bereits am Dienstag aus Köln,
Essen und Kassel gekommen. « Die Atmosphäre hier ist einfach toll und
entspannt. Natürlich auch chaotisch, aber immerhin ist dies das erste
europäische Treffen dieser Art », sagt Anna, die die
Landes-SchülerInnen-Vertretung Hessen.

Am Sonntag will die junge Kasselerin auf der Hauptversammlung der
europäischen Sozialorganisationen vor Tausenden von Leuten sprechen.
Ihr Thema: Demokratie und Bildung. « Bildung sollte für jeden zugänglich
sein. Eine Privatisierung der Bildung wäre der Untergang für das Land
und für die Demokratie! » Sie hat klare Vorstellungen davon, was das
Treffen bringen soll: « Ich möchte hier Gleichgesinnte treffen und mich
mit ihnen europaweit vernetzen. Wir haben die gleichen Probleme, also
können wir sie auch gemeinsam lösen! »

Das weltweite Forum hatte im Januar in der brasilianischen Stadt Porto
Alegre stattgefunden. Es sollte den sozialen Bewegungen und
Organisationen Raum zu Austausch und Diskussion und die Möglichkeit zur
internationalen Vernetzung bieten. Die weltweite Bewegung hat sich das
Ziel gesetzt, sozial und ökologisch nachhaltige Strategien und
Alternativen zur weltweiten neoliberalen Globalisierung zu finden. Am
WSF nahmen rund 60.000 Menschen teil. Um die Treffen zu verkleinern
wurde beschlossen, regionale und nationale Versammlungen zu
veranstalten.

« Natürlich sind beim ESF auch die autonome Gruppen vertreten », erklärt
Thomas Seibert. « Aber bisher ist hier alles friedlich verlaufen und
daran wird sich auch nichts ändern! » Der 45-jährige Deutsche vertritt
die Frankfurter Gesundheitsorganisation Medico International. Er ist
bereits am Montag angereist, um sich ein wenig in Florenz umzuschauen.
Das ESF ist für ihn eine Gelegenheit, andere europäische
Gesundheitsorganisationen kennen zu lernen. « Gemeinsam können wir mehr
erreichen », sagt er. Seibert informierte sich auch bei den Ständen der
autonomen Gruppen auf der Piazza della Libertà, die für ihn nicht
Gegen-, sondern Parallelveranstaltung zum ESF ist.

http://www.fse-esf.org

http://www.dsf-gsf.org

Organisationen:

http://www.lsv-hessen.de

http://www.scudag.org

http://www.medico.de


AP-Nachrichten - The Associated Press News Service


2002-11-09-fr


Frankfurter Rundschau
09.11.2002

"Europäisches Sozialforum"

Globalisierungskritiker fordern Auflösung der Nato

FLORENZ, 8. November (epd). Im Rahmen der Diskussion um
Friedenspolitik forderten Teilnehmer des "Europäischen Sozialforums"
in Florenz eine Auflösung der Nato und warnten vor einer
Militarisierung der Europäischen Union. Bei der geplanten "EU-Truppe
geht es nicht um Verteidigung, sondern um Angriff", beklagte Tobias
Pflüger von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung.

Gleichzeitig bemühten sich Forumsteilnehmer um ein Bündnis zwischen
Globalisierungskritikern und traditionellen politischen Kräften. "Die
Ethik muss ein Grundwert der Politik sein, und wenn unsere Ethik eine
Zukunft haben will, muss sie sich mit der Politik treffen", erklärte
der Sprecher des italienischen Sozialforums, Vittorio Agnoletto.

Die Zahl der Forumsteilnehmer stieg am Freitag auf rund 35 000. Damit
wurden die Erwartungen der Organisatoren weit übertroffen. Neben
Großversammlungen, Seminaren und Workshops über Neoliberalismus, Krieg
und Bürgerrechte geriet das Treffen zunehmend zu einem fröhlichen
Happening. Während Sprechchöre mit Slogans wie "Revolution" erklangen,
suchten Globalisierungskritiker aus aller Welt nach gemeinsamen
Strategien.


2002-11-09-nzz

Quelle: http://www.nzz.ch/2002/11/09/al/page-article8IEVL.html

Das « Volk von Seattle » zu Gast in Florenz

Familientreffen von Europas Globalisierungsgegnern

In Florenz haben sich ein paar tausend meist jugendliche
Globalisierungsgegner im Rahmen eines « Europäischen Sozialforums » zu
einem Meinungsaustausch eingefunden. Für Samstag ist ein
Friedensmarsch angesagt, zu dem gegen 200 000 Teilnehmer erwartet
werden. Behörden und Polizei haben Sicherheitsbedenken angemeldet.

sdl. Florenz, 8. Nov.

Einzelne Geschäfte in der Umgebung des Doms oder der zentralen Piazza
della Repubblica in Florenz haben ihre Schaufenster mit Holz- oder
Metallwänden verrammelt oder die Rollläden heruntergelassen. Bei
anderen sind Arbeiter noch damit beschäftigt, die Auslagen
behelfsmässig zu verriegeln. Es sind spürbar weniger Touristen in der
Stadt, und da und dort trifft man auf eine Gruppe von Carabinieri,
Polizisten oder Angehörigen der Guardia di Finanza. Sie gehören zu
einer Truppe von insgesamt rund 6000 Mann, die in der toskanischen
Hauptstadt für die Dauer des sogenannten Europäischen Sozialforums im
Einsatz stehen.

Mehr als Appelle

Die Veranstaltung auf dem Gelände der Fortezza da Basso hinter dem
Bahnhof Santa Maria Novella dauert bis Sonntag. Ihre Zeit verbringen
die grösstenteils jungen Protesttouristen in über einem Dutzend
Konferenzen sowie ein paar hundert Seminarien und Workshops über die
ihrer Meinung nach besonders schädlichen Aspekte der Globalisierung.
Am Samstag wird das Sozialforum mit einer Kundgebung beendet, zu der
die Veranstalter gegen 200 000 Teilnehmer erwarten. Dieser Protestzug
des « Volkes von Seattle » gegen die Kriege in aller Welt ist es, der
Politiker und einen Teil der Bewohner von Florenz das Schlimmste
befürchten lässt. Man kann es ihnen nach den Ereignissen am Rande von
internationalen Großveranstaltungen in Seattle, Washington, Prag,
Montreal, Nizza, Davos, Neapel und Genua während der letzten drei
Jahre auch nicht verargen. In all diesen Städten startete jeweils eine
kleine Schar von gewalttätigen Chaoten hinter dem Schild von
friedlichen Protestaktionen ihre Zerstörungstouren.

Befürchtungen, dass Florenz und seine Bewohner am Samstag unter
Ausschreitungen, Chaos und Gewalt leiden könnten, stören all jene, die
ihre politische Arbeit in den Mittelpunkt stellen und sich darum
bemühen, dass das locker strukturierte Lager der Globalisierungsgegner
und -kritiker über das Stadium der Appelle, Demonstrationen und
Kampagnen hinauswachsen kann. Diese Kreise möchten sich jetzt
daranmachen, politisch umsetzbare Konzepte zu formulieren. Von dieser
Seite kann man etwa hören, dass jene zu den Wegbereitern der Bewegung
gehörten, die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihrer Vorstellungen und
Ziele nicht zum Vornherein grundsätzlich ausschlossen. Die
Institutionen, die die Globalisierung fördern, werden als Feinde
betrachtet, denen es das Handwerk zu legen gilt.

Ehrenwerte Ziele

Seattle, wo im November 1999 Manifestanten und Angehörige der
Sicherheitskräfte während einer Konferenz der World Trade Organization
aneinander gerieten, gilt als Geburtsstunde der
globalisierungskritischen Szene. Sie ist ein weltweites loses Netz von
Nichtregierungsorganisationen, Solidaritätsgruppen, Gewerkschaften,
Bürgerinitiativen, Kirchenkreisen, Bewegungen jeder Art und weiterem
mehr. Als treibende Kräfte, Galionsfiguren oder Vordenker wirken die
kanadische Publizistin Naomi Klein, ihre britische Kollegin Susan
George, der aus den Philippinen stammende Nationalökonom Walden Bello
oder der französische Bauernaktivist José Bové.

Diese Leute treten für eine Weltordnung ein, in der das Leben nicht
einfach als Ware behandelt wird und die Welt nicht zum Verkauf steht,
in der die Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen und
Traditionen bestehen bleiben können und die Lebensformen auf diesem
Planeten nicht weltweit ein und denselben Gesetzmässigkeiten
unterworfen werden. Sie setzen sich für Entwicklungsmodelle ein, die
die Welt lediglich in einem Mass belasten sollen, dass auch spätere
Generationen noch eine Zukunft haben können. Für sie kann mit einer
Welt etwas nicht stimmen, in der weniger als 20 Prozent der Menschheit
über mehr als 80 Prozent der natürlichen Ressourcen gebieten. Man
lehnt die grenzübergreifenden Aktivitäten von Märkten, Börsen,
Produktion und moderner Informationstechnologie nicht grundsätzlich
ab, fordert indessen, dass auf die schwächsten Mitglieder der
Gesellschaft Rücksicht genommen werden muss.

Die Globalisierung soll, so wird verlangt, mittels verbindlicher
Regeln unter Kontrolle gebracht werden und ein menschliches Antlitz
erhalten; Profit und Effizienz dürfen nicht als alleinige Massstäbe
dienen. Es wird die Frage gestellt, warum die positiven Auswirkungen
der Globalisierung sowie die Segnungen der modernen Zivilisation
bisher an großen Teilen der Weltbevölkerung spurlos vorbeigegangen
sind. Man will verhindern, dass lediglich eine kleine Elite immer
reicher werde und diese den Zugang zu Wissenschaft, Technologie,
Kommunikation und den natürlichen Reichtümern der Welt kontrolliert.

Das Europäische Sozialforum, das unter dem Motto « Ein anderes Europa
für eine andere Welt ist möglich » steht, geht auf eine Initiative des
Weltsozialforums von Porto Alegre zurück, wonach die Aktivitäten zu
regionalisieren seien. Für das Treffen in Florenz wurden drei
Themenkreise bestimmt: « Neoliberalismus und Globalisierung », « Krieg
und Frieden » und « Bürger-/Menschenrechte und Demokratie ». Wer in
Florenz mitmachen wollte, hatte sich rechtzeitig « einzuklinken », der
Beitrag musste einfach einigermassen in einen der drei Themenkörbe
passen.

Auch die Globalisierungskritiker führen ihren Kreuzzug natürlich
global, Kontakt untereinander halten sie über das Internet und mit
gelegentlichen Begegnungen in der wirklichen Welt. Die Bewegung soll
ihre vielfältigen Facetten bis auf weiteres bewahren. Etwas anderes
wäre zurzeit wohl auch nicht zu erreichen, da keine einzelne Gruppe
eine Führungsrolle übernehmen und alle anderen in eine bestimmte
Richtung zwingen soll; es geht « basisdemokratisch » zu, es wird wenig
oder nichts entschieden und wenn schon, dann allenfalls auf
Ad-hoc-Basis. Einzelnen Vertretern scheinen die endlosen Palaver nun
allerdings nicht mehr zu genügen; Susan George etwa spricht davon,
dass « die Bewegung für ihre Anliegen kämpfen und die Politiker zwingen
muss » zuzuhören. Die Mächtigen der Erde sollen sich der Aufgabe
zuwenden, den Globalisierungsprozess Kontrollmechanismen zu
unterwerfen; man will nicht akzeptieren, dass alles den Marktkräften
überlassen wird.

Fröhliche Stimmung

Die Stimmung auf dem Gelände der Fortezza da Basso ist fröhlich. Man
weiss allerdings nicht immer, ob man sich an einem Open-Air-Festival
für Folkmusik, in einem Ferienlager fortschrittlicher Studentengruppen
oder einem Basar der Genossen aus der linken Ecke befindet. Nach
Letzterem sieht es in einer Halle aus, in der die verschiedensten
Gruppen und Grüppchen ihre Stände aufgebaut haben und T-Shirts,
Poster, Bücher, Pamphlete, Protestknöpfe sowie Spielzeuge und andere
Handwerkserzeugnisse von Völkern aus aller Welt zum Verkauf
anbieten. Auf dem Weg zu einem Seminar, wo über die Tobin- Steuer und
die Grössenordnung des weltweiten Devisenhandels referiert wird,
findet man eine Gruppe Indianer vor ihrem Tipi. Da und dort rennt ein
Hund davon, in einem Hof spielt eine Rock-Band, daneben werden Würste
verkauft.

Nachdem man eine Weile Schweizer Aktivisten zugehört hat, die sich zu
den Themen Steuerparadiese und Steuerhinterziehung äussern, verirrt
man sich in einen Raum, der zum stillen Verweilen, Meditieren und
Nachdenken animieren soll. In diesem « Reflektorium » sind zwei
Weisheiten angeschlagen. Die eine - « Es gibt keinen Weg zum Frieden,
der Friede ist der Weg » - wird dem buddhistischen Mönch Thich Nhat
Hanh aus Vietnam zugeschrieben, die andere stammt vom Dalai Lama:
« Wenn du deinen Mitmenschen schon nicht helfen kannst, so verzichte
zumindest darauf, ihnen Schaden zuzufügen. » Damit sollten eigentlich
auch die glühendsten Verfechter der Globalisierung keinerlei Mühe
bekunden, und wenn solche Ermunterungen auch vom « Volk von Seattle »
beherzigt werden, besteht zu Sorgen und Ängsten kaum Anlass.


2002-11-09-news_ch

Quelle: http://www.news.ch/detail.asp?ID=123535

news.ch
9.11.2002

500 000 Menschen demonstrieren in Florenz gegen einen Irak-Krieg

Florenz - Über eine halbe Million Menschen haben in Florenz gegen
einen drohenden Irakkrieg demonstriert. Die Protestaktion war die
grösste Anti-Kriegs-Demonstration in Italien seit Jahren.

Der kilometerlange Demonstrationszug bildete den Höhepunkt des
fünftägigen Europäischen Sozialforums, zu dem Globalisierungs-Kritiker
und Friedensgruppen aus der ganzen Welt in die Toskana-Metropole
kamen.

Stoppt die Kriegskoalition und Kein Angriff auf den Irak hiess es auf
Spruchbändern. Viele der zumeist jungen Leute schwenkten rote Fahnen.

Zu den Demonstranten zählte auch der Chef der italienischen
Altkommunisten, Fausto Bertinotti und der Führer des stärksten
italienischen Gewerkschaftsverbands CGIL, Guglielmo Epifani.

Während die Behörden die Zahl der Teilnehmer auf fast 500 000
schätzten, sprachen die Veranstalter von einer Million. Die Regierung
mobilisierte im Vorfeld der Demonstration 6000
Sicherheitskräfte. Viele Ladenbesitzer ließen ihre Geschäfter aus
Angst aber geschlossen.

Zudem hatte die Regierung den Demonstraten verboten, durch die
historische Altstadt zu ziehen. Stattdessen gingen die Demonstranten
durch die Aussenviertel zum Sportstadion.

Durch eigene Ordnungskräfte versuchten die Veranstalter zu verhindern,
dass sich gewaltbereite junge Leute unter die Demonstranten
mischten. Nach Polizeiangaben kam es nicht zu den befürchteten
Ausschreitungen.

Beim Sozialforum hatten die Globalisierungs-Kritiker Strategien zur
Bekämpfung der ungehemmten wirtschaftlichen Globalisierung erörtert.

Dabei forderten sie, der Globalisierungs-Prozess müsse sozial und
demokratisch gesteuert werden und dürfe nicht weiter zu steigender
Armut in der Dritten Welt führen. Ein Schuldenerlass für die
Entwicklungsländer sei unerlässlich.

ps (Quelle: sda)


2002-11-09-rp_online

Quelle: http://www.rp-online.de/news/politik/2002-1109/irak_demo.html
Artikel aus RP-Online vom 09.11.02 20:06

* 450.000 Teilnehmer auf Italiens Straßen

Massendemo gegen Irak-Krieg

Florenz (rpo). Friedliche Massendemonstrationen gegen einen möglichen
Irak-Krieg und die negativen Auswirkungen der Globalisierung: Rund
eine halbe Million Menschen aus ganz Europa kamen am Samstag in
Florenz zusammen.

Die Zahl der Teilnehmer wurde von den Organisatoren auf 800.000 bis
eine Million geschätzt, die Polizei sprach von 450.000
Demonstranten. Die befürchteten Ausschreitungen blieben bis zum Abend
aus.  Die Polizei hielt sich betont zurück und war zwischen den
Demonstranten, die Regenbogenfahnen und Transparente mit der
Aufschrift "Kein Krieg" trugen, kaum zu sehen. Die Atmosphäre wirkte
heiter und gelöst. Viele Demonstranten hatten Trommeln und Pfeifen
mitgebracht, andere waren als Clowns kostümiert oder auf Rollschuhen
unterwegs.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte das Europäische Sozialforum, ein
Zusammenschluss von unabhängigen und autonomen Verbänden,
Menschenrechts- und Kirchengruppen, Gewerkschaften sowie linken
Organisationen und Parteien. Die Großdemonstration, zu der
ursprünglich nur 100.000 Teilnehmer erwartet worden waren, war einer
der Höhepunkte des Sozialforums, das noch bis Sonntag tagt.

Die Demonstration begann mehr als eine Stunde früher als geplant, weil
einfach kein Platz mehr war für die stetig anwachsende
Menge. Friedlich zogen die Menschen am Arno entlang durch die Straßen
von Florenz zum Fußballstadion, wo dann noch ein Konzert stattfinden
sollte. Der Protest richtete sich vor allem gegen die Politik der USA
und gegen die multinationalen Konzerne, denen eine Politik zu Lasten
der Armen und der Umwelt vorgeworfen wurde.

Die italienische Polizei hatte die Sicherheitsvorkehrungen erheblich
verstärkt. Unter anderem waren 850 Mülleimer entlang der
Demonstrationsstrecke entfernt worden.  Seit Beginn des Sozialforums
am Mittwoch waren 6.000 Polizisten in der Stadt im Einsatz.

Bei der Kundgebung hielt sich die Polizei weitgehend im
Hintergrund. "Ich habe noch nie so viele Demonstranten und so wenige
Polizisten gesehen", sagte ein deutscher Teilnehmer, Uwe Schurmann aus
Oberhausen.

Die italienische Regierung hatte sogar den Luftraum über der Stadt für
Privatflugzeuge von Mittwoch bis Sonntag gesperrt. Italien setzte
wegen des Treffens ferner das Schengener Abkommen, das eigentlich
allen EU-Bürgern Reisefreiheit in der Europäischen Union gewährt,
außer Kraft. Die Großdemonstration galt auch als Test für die
italienische Polizei, die sich nach dem G-8-Gipfel in Genua im
vergangenen Jahr schwere Vorwürfe anhören musste, nachdem Carabinieri
einen Demonstranten erschossen und Hunderte Menschen verletzt hatten.



2002-11-09-spiegel

SPIEGEL ONLINE - 09. November 2002, 17:33
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,222251,00.html

Anti-Bush-Aufmarsch

Halbe Million gegen Irak-Krieg

Manche schwenkten rote Fahnen, doch auch überzeugte Christen gingen auf die
Straße: Über eine halbe Million Menschen haben in Florenz gegen einen drohenden
Irakkrieg demonstriert. Die befürchteten Ausschreitungen blieben zunächst aus.

Florenz - Die Protestaktion war Höhepunkt des fünftägigen "Europäischen
Sozialforums", zu dem Globalisierungs-Kritiker und Friedensgruppen aus der
ganzen Welt zusammenkamen. Während die Behörden die Zahl der Teilnehmer auf
fast 500.000 schätzten, sprachen die Veranstalter von einer Million.

Aus Furcht vor Ausschreitungen hatte die italienische Regierung 6000
Sicherheitskräfte mobilisiert, viele Geschäfte in Florenz blieben geschlossen.
Zunächst gab es keine Zusammenstöße. Auch Deutsche waren bei der Demonstration
dabei.

Es war die größte Anti-Kriegs-Demonstration in Italien seit Jahren. "Stoppt die
Kriegskoalition" und "Kein Angriff auf den Irak" hieß es auf Spruchbändern.
Viele der zumeist jungen Leute schwenkten rote Fahnen. Auch zahlreiche Anhänger
der italienischen Kommunisten, Gewerkschafter sowie kirchliche Gruppierungen
beteiligten sich an dem Kilometer langen Demonstrationszug. Polizei und
Sicherheitskräfte hielten sich im Hintergrund.

Aus Furcht vor Ausschreitungen hatte die Regierung dem Demonstrationszug nicht
erlaubt, durch die historische Altstadt zu ziehen. Die italienische Regierung
hatte sogar den Luftraum für Privatflugzeuge von Mittwoch bis Sonntag gesperrt.
Stattdessen zogen Demonstranten durch die Außenviertel zum Sportstadion von
Florenz.

Die Großdemonstration galt auch als Test für die italienische Polizei, die sich
nach dem G-8-Gipfel in Genua im vergangenen Jahr schwere Vorwürfe anhören
musste, als Karabinieri einen Demonstranten erschossen und Hunderte Menschen
verletzten.

Die Veranstalter versuchten, durch eigene Ordner zu verhindern, dass sich
gewaltbereite junge Leute unter die Demonstranten mischten. Der Regierung ging
es vor allem darum, blutige Zusammenstöße wie beim G-8-Gipfel im Juli 2001 in
Genua vermeiden. Damals hatte ein Polizist einen jungen Italiener erschossen,
viele Menschen wurden verletzt.

Beim "Sozialforum" hatten die Globalisierungs-Kritiker Strategien zur
Bekämpfung der ungehemmten wirtschaftlichen Globalisierung erörtert. Dabei
forderten sie, der Globalisierungs-Prozess müsse sozial und demokratisch
gesteuert werden und dürfe nicht weiter zu steigender Armut in der Dritten Welt
führen. Ein Schuldenerlass für die Entwicklungsländer sei unerlässlich.


2002-11-09-faz

Quelle:
http://www.faz.net/s/Rub9E7BDE69469E11D4AE7B0008C7F31E1E/Doc~EC41C22C4D6764C028B67E53FF237507F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Frankfurter Allgemeine Zeitung
09.11.2002

Europäisches Sozialforum

Über 500.000 demonstrieren gegen drohenden Irak-Krieg

09. November 2002 - Mehr als eine halbe Million Menschen aus ganz Europa
haben am Samstag in Florenz gegen einen möglichen von den USA
geführten Militärschlag gegen Irak demonstriert.

Die Kundgebung fand im Rahmen des ersten Europäischen Sozialforums
statt. Zu dem viertägigen Forum waren Globalisierungsgegner aus Europa
zu Diskussionen und Konzerten eingeladen. Während die Behörden die
Zahl der Teilnehmer auf fast 500 000 schätzten, sprachen die
Veranstalter zeitweise von einer Million.

Aus Furcht vor Ausschreitungen hatte die italienische
Regierung 6.000 Sicherheitskräfte mobilisiert; viele Geschäfte in
Florenz blieben geschlossen. Bis zum Abend gab es keine Zusammenstöße.
Die Atmosphäre zwischen den Demonstranten und den Sicherheitkräften
war jedoch Augenzeugen zufolge vergleichsweise entspannt. Die Museen
und die berühmte Kathedrale von Florenz waren geöffnet. Vorsorglich
hatte die Polizei in einem zentrumsnahen Gefängnis rund hundert Zellen
freihalten lassen.

In einem bunten Meer von Fahnen und Luftballons trugen Demonstranten
Transparente in vielen Sprachen. "Nehmt euren Krieg und fahrt zur
Hölle", stand auf einem, und auf einem anderen war zu lesen: "Ein
anderes Europa ist möglich. Nein zum Krieg."

Musik schallte aus Lautsprechern, Luftballons flogen durch die Luft,
und Jongleure unterhielten die Menge. "Die Atmosphäre ist
wunderbar. Absolut perfekt", sagte ein junger Grieche. "Sie zeigt,
dass eine neue junge Linke entsteht."

Die Veranstalter teilten mit, sie hätten den Demonstrationszug eine
Stunde frühere als geplant starten lassen, weil sich so viele Menschen
in den Straßen der Altstadt gedrängt hätten. Die Demonstration war
schon vor Monaten geplant gewesen, erhielt durch die Verabschiedung
der Resolution zur Abrüstung Iraks am Freitag im UN-Sicherheitsrat
jedoch zusätzliche Aktualität. Der linke französische Politiker Alain
Krivine sagte, es habe keine Illusionen mehr über Organisationen wie
die UN und ihre Fähigkeit, der Menschheit zu helfen. "Märsche allein
werden keine Kriege stoppen", sagte er, "aber dies ist wortwörtlich
ein erster Schritt."

EU-Kommissionpräsident Romano Prodi zeigte Verständnis für die
Demonstranten. Er verfolge, was in Florenz geschehe. Den jungen
Menschen müsse Gehör geschenkt werden, sagte Prodi in der nahe
gelegenen Stadt Bologna. "In dieser Zeit der Veränderungen ist die
Stimme der Jugend von großer Bedeutung", sagte der Italiener. Das
bedeute aber nicht, dass ihre Auffassungen geteilt werden müssten.

Text: Reuters, dpa
Bildmaterial: AP


2002-11-09-bz

Quelle: http://www.berlinonline.de/suche/.bin/mark.cgi/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/191879.html


Berliner Zeitung
Samstag, 09. November 2002

Friedlich und etwas chaotisch - das Sozialforum in Florenz

35 000 Jugendliche debattieren über Neoliberalismus und Krieg und über
die Zukunft der "Bewegung der Bewegungen"

Thomas Götz

FLORENZ, 8. November. Viele Geschäfte in Florenz haben geschlossen,
amerikanische Hamburger-Restaurants ihre Fenster verbarrikadiert. Doch
die Panik, die italienische Medien vor Beginn des Europäischen
Sozialforums schürten, hat sich - bisher jedenfalls - als völlig
unbegründet erwiesen: Nicht Tränengas und der Qualm brennender Autos
wie beim G-8-Gipfeltreffen in Genua im letzten Jahr liegt über der
Stadt, sondern der Rauch von Bratwurstbuden.

Friedlich und etwas chaotisch tagen die rund 35 000 vorwiegend
jugendlichen Teilnehmer in der Bastei "Fortezza da Basso". Im
buddhistisch angehauchten "Raum der Stille" schenken Aktivisten im
Duft von Räucherstäbchen alternative Cola aus. Fotos von Kurdenführer
Abdullah Öcalan und von Carlo Giuliani, dem im Vorjahr in Genua
erschossenen Demonstranten, hängen an der Wand. Zur
Friedensdemonstration, die an diesem Sonnabend von der Festung zum
Stadion ziehen soll, werden mindestens 150 000 Teilnehmer erwartet,
und die Organisatoren hoffen, das friedliche Bild bewahren zu können.

Die ersten beiden Tage des Forums haben kaum ausgereicht, die großen
Themen - Neoliberalismus, Rassismus, Krieg, Ausbeutung,
Ungerechtigkeit - auch nur anzureißen. Die Veranstalter haben
versucht, die vielen Aspekte auf zahllose kleine Arbeitskreise zu
verteilen. Das erleichterte zwar die Kommunikation unter den
Teilnehmern, machte es aber auch unmöglich, die Ergebnisse zu bündeln.

Die "Bewegung der Bewegungen", wie das Sozialforum in Italien genannt
wird, scheint an einem Wendepunkt angelangt. Die dezentrale
Organisationsform, die viele als wesentliches Charakteristikum der
Gruppe sehen, erweist sich zugleich als Hemmschuh. In den nächsten
zwei Jahren werde sich zeigen, ob man aus dem Stadium der Appelle und
Proteste hinauskomme, meint etwa Matthias Herfeld von der Schweizer
Gruppe "Erklärung von Bern". Er hält es durchaus auch für möglich,
dass das Forum wieder in seine Einzelteile zerfällt, ehe es noch
politisch wirksam geworden ist. Seine Ansicht, man müsse die
Zusammenarbeit mit etablierten Parteien und Gewerkschaften, ja sogar
mit den verpönten internationalen Organisationen suchen, trifft in
Florenz auf viel Widerspruch. Einer Institution wie der
Welthandelsorganisation wünschen viele Teilnehmer nur eines - die
Abschaffung.

Neben den bekannten Identifikationsfiguren der Bewegung, dem
französischen Bauern José Bové oder der US-amerikanischen Autorin
Naomi Klein, sind auch viele Gewerkschaftsvertreter nach Florenz
gepilgert. Der Chef der größten italienischen Gewerkschaft, der
ehemals kommunistischen CGIL, ließ sich sehen; die kommunistischen
Parteien Italiens boten sich der bunten Bewegung als Verbündete an,
während die gemäßigten Linksdemokraten eher halbherzig in die Bastei
einzogen.

Unterdessen versuchten ein paar Anarchisten, die Geschäftsleute in der
Innenstadt zu beruhigen. Mit großen Fahnen zogen sie durch die Straßen
der Innenstadt und dankten mit anhaltendem Applaus all jenen, die ihre
Geschäfte nicht verrammelt hatten. Der italienische Aktivist Luca
Casarini, der in Genua noch mit provokanten Wortmeldungen und Aktionen
das Klima kräftig aufgeheizt hatte, rief am Freitag seine Leute
lediglich vor einem Werk der Firma Caterpillar am Stadtrand von
Florenz zusammen. Dort protestierten sie gegen den Einsatz von
Raupenfahrzeugen dieses Typs gegen die Palästinenser in den besetzten
Gebieten.


2002-11-09-zdf_heute


http://www.heute.t-online.de/ZDFde/druckansicht/0,1986,2022377,00.html

ZDF heute
09.11.2002
Politik


Massendemonstration gegen Irak-Krieg

Über 500.000 Teilnehmer ziehen friedlich durch Florenz

Über eine halbe Million Menschen haben am Samstag in Florenz gegen
einen drohenden Irakkrieg demonstriert. Die Protestaktion war
Höhepunkt des fünftägigen "Europäischen Sozialforums", zu dem
Globalisierungs-Kritiker und Friedensgruppen aus der ganzen Welt in
die Toskana-Metropole kamen.

---

Während die Behörden die Zahl der Teilnehmer auf fast 500.000
schätzten, sprachen die Veranstalter von einer Million. Aus Furcht vor
Ausschreitungen hatte die italienische Regierung 6000
Sicherheitskräfte mobilisiert, viele Geschäfte in Florenz blieben
geschlossen. Zunächst gab es keine Zusammenstöße. Auch Deutsche waren
bei der Demonstration dabei.

Es war die größte Anti-Kriegs-Demonstration in Italien seit
Jahren. "Stoppt die Kriegskoalition" und "Kein Angriff auf den Irak"
hieß es auf Spruchbändern. Viele der zumeist jungen Leute schwenkten
rote Fahnen. Auch zahlreiche Anhänger der italienischen Kommunisten,
Gewerkschafter sowie kirchliche Gruppierungen beteiligten sich an dem
Kilometer langen Demonstrationszug.

Der Schatten von Genua

Polizei und Sicherheitskräfte hielten sich im Hintergrund. Aus
Furcht vor Ausschreitungen hatte die Regierung dem Demonstrationszug
nicht erlaubt, durch die historische Altstadt zu ziehen.  Stattdessen
zogen Demonstranten durch die Außenviertel zum Sportstadion von
Florenz.

Die Veranstalter versuchten, durch eigene Ordner zu verhindern, dass
sich gewaltbereite junge Leute unter die Demonstranten mischten. Der
Regierung ging es vor allem darum, blutige Zusammenstöße wie beim
G-8-Gipfel im Juli 2001 in Genua vermeiden.  Damals hatte ein Polizist
einen jungen Italiener erschossen, viele Menschen wurden verletzt.

Armut in Dritter Welt darf nicht steigen

Beim "Sozialforum" hatten die Globalisierungs-Kritiker Strategien zur
Bekämpfung der ungehemmten wirtschaftlichen Globalisierung
erörtert. Dabei forderten sie, der Globalisierungs-Prozess müsse
sozial und demokratisch gesteuert werden und dürfe nicht weiter zu
steigender Armut in der Dritten Welt führen. Ein Schuldenerlass für
die Entwicklungsländer sei unerlässlich.

Ströbele fordert Zusammenarbeit

Der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) plädierte
beim Europäischen Sozialforum für eine stärkere Zusammenarbeit der
etablierten Parteien mit Globalisierungskritikern.  Die Gruppen
dürften dabei aber nicht ihre Unabhängigkeit verlieren und vereinnahmt
werden, mahnte er am Freitagabend in Florenz.

"Ohne den Druck der Straße haben die Parteien nicht die Kraft, die
Globalisierung in eine gerechte Globalisierung umzuwandeln", sagte
Ströbele vor 5000 Teilnehmern eines Forums. Er kritisierte zugleich
die Zustimmung seiner Partei zu Bundeswehreinsätzen in Jugoslawien.

© ZDF 2002


2002-11-09-sr


Saarländischer Rundfunk

- 09.11.2002 17:00

Florenz: Globalisierungskritiker gehen auf die Straße

Mehr als 100.000 Gobalisierungskritiker haben sich in der
italienischen Stadt Florenz versammelt, um gegen einen möglichen
Irak-Krieg zu demonstrieren. Die Demonstration bildet den Abschluss
des Europäischen Sozialforums, zu dem insgesamt rund 40.000 Teilnehmer
aus der ganzen Welt nach Italien gekommen waren. Auf der Veranstaltung
hatte unter anderem der Grünen-Politiker Christian Ströbele für eine
engere Zusammenarbeit der etablierten Parteien mit den
Globalisierungs-Kritikern geworben.

- 09.11.2002 18:00

Florenz: Über eine halbe Million Teilnehmer bei Demo gegen Irak-Krieg

Mehr als eine halbe Million Menschen haben gegen einen drohenden
Irakkrieg demonstriert.  Die Protestaktion war Höhepunkt des
fünftägigen "Europäischen Sozialforums", zu dem
Globalisierungskritiker aus aller Welt nach Florenz gekommen
waren. Aus Furcht vor Ausschreitungen hatte die italienische Regierung
zu der heutigen Kundgebung 6.000 Sicherheitskräfte mobilisiert. Damit
sollten blutige Zusammenstöße wie beim G-8-Gipfel im Juli 2001 in
Genua verhindert werden.  Bei dem seit Mittwoch laufenden Sozialforum
erörterten die Globalisierungs-Kritiker Strategien zur Bekämpfung
einer ungehemmten wirtschaftlichen Globalisierung. Dabei forderten
sie, der Globalisierungs-Prozess müsse sozial und demokratisch
gesteuert werden und dürfe nicht zu steigender Armut in der Dritten
Welt führen.

- 09.11.2002 19:00

Florenz: Über eine halbe Million Teilnehmer bei Demo gegen Irak-Krieg

Mehr als eine halbe Million Menschen haben gegen einen drohenden
Irakkrieg demonstriert. Die Protestaktion war Höhepunkt des
fünftägigen "Europäischen Sozialforums", zu dem Globalisierungskritiker
aus aller Welt nach Florenz gekommen waren.

Aus Florenz: Patricia Arnold (40s MP3-Audio, 316 KB)


2002-11-10-ap_schweiz

Artikel-URL: http://de.news.yahoo.com/021110/281/3270o.html

Associated Press / Schweiz

Sonntag 10. November 2002, 12:28 Uhr
Hunderttausende gegen Krieg und Konzerne - Wochenendzusammenfassung

Florenz (AP) Eine halbe Million Menschen aus ganz Europa haben in
Florenz gegen einen möglichen Irak-Krieg und gegen den Einfluss
multinationaler Konzerne demonstriert. Die Kundgebung war der
Höhepunkt des am Sonntag beendeten Europäischen Sozialforums, auf dem
die internationale Bewegung der Globalisierungsgegner fünf Tage lang
über das Welthandelssystem und gesellschaftliche Entwicklung
diskutierte.

Die italienische Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf
450.000, die Veranstalter sprachen von 800.000 bis zu einer Million
Teilnehmern. Die Polizei hielt sich betont im Hintergrund, die
Atmosphäre wirkte heiter und gelöst. Viele Demonstranten hatten
Trommeln und Pfeifen mitgebracht, andere waren als Clowns kostümiert
oder auf Rollschuhen unterwegs. « Wir wollen demonstrieren, dass eine
andere Welt möglich ist », sagte die 31-jährige Noemi Cucchi aus
Ancona.

Ursprünglich hatten die Veranstalter lediglich mit 100.000
Demonstranten gerechnet. Der Protestmarsch begann mehr als eine Stunde
früher als geplant, weil einfach kein Platz mehr war für die stetig
anwachsende Menge. Friedlich zogen die Menschen am Arno entlang durch
die Straßen von Florenz zu einem Abschlusskonzert im Fussballstadion.
Der Protest richtete sich vor allem gegen die Politik der USA und
gegen die multinationalen Konzerne, denen eine Politik zu Lasten der
Armen und der Umwelt vorgeworfen wurde.

Bei der Kundgebung hielt sich die Polizei weitgehend im
Hintergrund. « Ich habe noch nie so viele Demonstranten und so wenige
Polizisten gesehen », sagte Uwe Schurmann aus Oberhausen. Unter den
Teilnehmern war auch der grüne Bundestagsabgeordnete Christian
Ströbele.

Italien hat für die Dauer des Sozialforums das Schengener Abkommen
ausgesetzt und schon an den Grenzen die anreisenden Demonstranten
kontrolliert. Die Großdemonstration galt auch als Test für die
italienische Polizei, die beim Weltwirtschaftsgipfel in Genua im
vergangenen Jahr mit großer Härte gegen Demonstranten vorgegangen
war.  Dabei wurde ein Globalisierungsgegner erschossen, hunderte
wurden verletzt.


Copyright © 2002 AP Schweiz.


2002-11-10-dpa

Artikel-URL: http://de.news.yahoo.com/021110/3/326tw.html

Sonntag 10. November 2002, 09:32 Uhr
Großdemonstration in Florenz gegen drohenden Irak-Krieg

Florenz (dpa) - Über eine halbe Million Menschen haben in Florenz
friedlich gegen einen drohenden Irak-Krieg demonstriert. Die
Protestaktion war Höhepunkt des fünftägigen « Europäischen Sozialforums
 », zu dem Menschen aus der ganzen Welt in die Toskana kamen. Aus Furcht
vor Ausschreitungen hatte die italienische Regierung 6000
Sicherheitskräfte mobilisiert; viele Geschäfte blieben geschlossen. Es
blieb in Florenz jedoch auch in der Nacht friedlich.

Copyright © 2002 dpa.


2002-11-10-sonntagszeitung

Quelle: http://www.sonntagszeitung.ch/sz/szUnterRubrik.html?ausgabeid=2684&rubrikid=128&ArtId=234926


Sonntagszeitung

Friedliche Demo in Florenz

Hunderttausende an Kundgebung gegen Krieg

VON WALTER DE GREGORIO


FLORENZ - Zwischen 450 000 und einer Million Menschen nahmen gestern
in Florenz an einem Friedensmarsch teil, der vom Europäischen
Sozialforum organisiert worden war. Der Nahostkonflikt sowie der
drohende Krieg gegen den Irak standen im Mittelpunkt des Umzugs, der
ohne Zwischenfälle verlief. Während die einen ein « freies Palästina »
forderten, verlangten andere eine « Uno-Inspektion in Bushs Gehirn ».

Den Terrorismus bekämpft man nicht mit Krieg, sondern mit Frieden das
war auch der Grundtenor der Workshops und der Seminare, die in den
letzten vier Tagen in Florenz stattgefunden hatten. Die Aufmunterung
vieler jugendlicher Demonstranten, sich zu lieben, statt zu bekriegen,
erwies sich als Idee zwar nicht mehr ganz frisch, wie auch die
Aufforderung auf T-Shirts und Plakaten: « Make cake, make pizza » macht
alles, ausser Krieg.

Der Friedensmarsch befasste sich auch mit aktuellen Problemen der
italienischen Arbeiterschaft, etwa mit der bevorstehenden Schliessung
von Fiat-Werken und der Entlassung von Tausenden von Frauen und
Männern.  Angeprangert wurde auch die Einführung einer
Prostituierten-Steuer, die sexuelle Ausbeutung der Frau, die
Gentechnologie, die Umweltbelastung die Rundumdemonstration war
engagiert und kräftig, oft witzig und ironisch. Und sie blieb stets
friedlich.

Das ist ein Erfolg für alle jene, die an diese Veranstaltung geglaubt
hatten und an die Notwendigkeit, andere Wege zu suchen, um das
Zusammenleben auf der Welt gerechter und menschlicher zu
gestalten. Die so genannten « no globals » sind nicht, wie der Begriff
fälschlicherweise suggeriert, gegen die Globalisierung an und für
sich, sondern gegen eine Globalisierung, welche die Welt, die Natur
und die Menschen als Ware betrachtet. Diese, bekräftigten die
Demonstranten gestern, « stehen nicht zum Verkauf ».

Die Regierung Berlusconi warnte vor dem « Einfall der Barbaren »

Bis zuletzt hatte Italiens Mitte-rechts-Regierung unter Silvio
Berlusconi versucht, das Europäische Sozialforum zu verhindern, als
ginge es, wie vor einem Jahr in Genua, um eine Demonstration gegen ein
Gipfeltreffen der Mächtigen.  Es wurde argumentiert, Leib und Gut der
Florentiner Bevölkerung würde in großer Gefahr stehen, falls man den
« Einfall der Barbaren » nicht verhindere. Regierungsnahe Blätter und
das Staatsfernsehen hatten in den letzten Tagen fast ausschliesslich
über das vermeintliche Gefahrenpotenzial berichtet, statt über die
Inhalte des Treffens der Globalisierungskritiker.

In einem Beitrag des staatlichen Senders RAI wurde ein Bericht über
die Roten Khmer ausgestrahlt, der suggerieren sollte, wohin es führe,
wenn man nicht den Anfängen wehre. Den Tiefpunkt erreichte die
Schriftstellerin Oriana Fallaci, einst für Intelligenz und Scharfsinn
berühmt. Im « Corriere della Sera » forderte sie die Florentiner auf,
ihre Läden für die Zeit des Sozialforums zu schließen, zum Zeichen
der Trauer über « die bevorstehende Verwüstung durch die Hunnen ». Der
Filmregisseur Franco Zeffirelli stieg mit Fallaci in den
Schützengraben und erinnerte an die deutschen Besatzungstruppen im
Zweiten Weltkrieg: « Haltet durch! »

Die Kulturstadt Florenz hats überlebt.

© Tamedia AG


2002-11-10-standard-teilnehmer

Quelle: http://derstandard.at/standard.asp?id=1128189

derStandard.at
Europäisches Sozialforum

11. Nov, 2002
11:53 MEZ

Österreichische TeilnehmerInnen werten Sozialforum als "Riesenerfolg"
"Friedlich und konstruktiv" - Sozialforum in Österreich in Diskussion

Wien - Als "Riesenerfolg" sehen VertreterInnen der österreichischen
Gewerkschaften das Europäische Sozialforum in Florenz. Die
Veranstaltung habe gezeigt, dass "ein anderes Europa" nicht nur
möglich sei, sondern auch existiere, "es ist friedlich, und es ist
konstruktiv in der Suche nach einem anderen, menschlichen Weg für den
Kontinent", heißt es in einer Aussendung des ÖGB am Montag. Aus
Österreich hätten 500 Menschen am Sozialforum teilgenommen. Die
österreichischen TeilnehmerInnen hätten auch die Abhaltung eines
"Austrian Social Forum" diskutiert. Es gebe dazu ein erstes Angebot
der Stadt Hallein, die Veranstaltung dort im Frühling abzuhalten.

"Das andere Europa hat in Florenz ein starkes Zeichen gesetzt", sagte
der internationale Sekretär der Gewerkschaft der Eisenbahner, Harald
Voitl, laut Aussendung. Wolfgang Greif von der Gewerkschaft der
Privatangestellten räumte ein, dass es "Unterschiede und Widersprüche
zwischen den Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen" gebe, das
Sozialforum habe aber die "große Entschlossenheit" zur Überwindung
dieser Unterschiede gezeigt.

"Neoliberale Globalisierung"

Das Sozialforum habe sich in 18 Großkonferenzen und 150 Seminaren für
den Frieden und gegen den Krieg, für eine Demokratisierung aller
Lebensbereiche und gegen die "neoliberale Globalisierung"
ausgesprochen. Entgegen der "Angstkampagne der italienischen
Regierung" seien die Teilnehmer friedlich gewesen. Die Delegationen
aus Österreich hoben auch die professionelle Vorbereitung und
Durchführung der Veranstaltung hervor.

Folgende Organisationen waren, gemeinsam mit vielen Einzelpersonen,
Teil der österreichischen Delegation: ATTAC, Gewerkschaft der
ChemiearbeiterInnen, Gewerkschaft der EisenbahnerInnen, Gewerkschaft
der Privatangestellten/Gewerkschaft Metall - Textil, Jugend für eine
geeinte Welt, KPÖ, Linkswende, Österreichische HochschülerInnenschaft,
Sozialistische Jugend Österreichs, Salzburg Social Forum, SOAL,
Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs, AKS.(APA)


2002-11-10-standard-attac

Quelle: http://derstandard.at/standard.asp?id=1127576

derStandard.at
Europäisches Sozialforum

10. Nov, 2002
15:54 MEZ

ATTAC Österreich sieht Florenz als "Blamage für Berlusconi"

ATTAC-VertreterInnen "überwältigt" vom Erfolg des Europäischen
Sozialforums

Florenz - "Wir sind überwältigt vom großen Erfolg, von der kreativen
Energie, den vielen Diskussionen, den neu entstandenen Netzwerken und
Projekten. Die globalisierungskritische Bewegung hat sich als ernst zu
nehmender politischer Faktor europaweit etabliert", zog Christian
Felber, Sprecher von ATTAC Österreich, am Sonntag Bilanz des ersten
Europäischen Sozialforums von Florenz.

"Die mehr als eine halbe Million DemonstrantInnen am Samstag haben
gezeigt, dass es in Europa eine Mehrheit gegen den Angriffskrieg der
USA und ihrer Verbündeten auf den Irak gibt. Die europäische Politik
sollte auf diese Mehrheit hören und sich für eine globale
Friedenspolitik einsetzen", erklärte Felber in einer Aussendung. "Ins
Leere gelaufen" sei auch die "verantwortungslose
Diffamierungskampagne" des italienischen Premiers Silvio Berlusconi
gegenüber dem Europäischen Sozialforum. Entgegen den wochenlang
produzierten Horrorszenarien sei das Sozialforum genauso verlaufen,
wie es von den Veranstaltern immer erwartet und betont wurde - nämlich
absolut friedlich.

"Das Spiel der italienischen Regierung und ihrer Medien zur
Diskreditierung der politischen Anliegen der ESF-TeilnehmerInnen und
zur nachträglichen Rechtfertigung des kriminellen behördlichen
Vorgehens in Genua ist gründlich in die Hose gegangen", betonte auch
Karin Küblböck, Obfrau von ATTAC Österreich. "Es wird zukünftig nicht
mehr möglich sein, sich der Auseinandersetzung mit den Forderungen der
immer stärker werdenden globalisierungskritischen Bewegung durch
plumpe Kriminalisierungsstrategien zu entziehen", so Küblböck
weiter. (APA)


2002-11-10-standard-streik

Quelle: http://derstandard.at/standard.asp?id=1127598

derStandard.at
Europäisches Sozialforum

10. Nov, 2002
16:41 MEZ

Appell zu europäischem Generalstreik gegen Krieg

Globalisierungsgegner rufen zu Einsatz gegen EU-Konvent auf -
No Global-Aktivisten wollen sich in Paris wiedertreffen

Florenz - Nach der Friedensdemo in Florenz stehen den
Globalisierungsgegnern neue Herausforderungen bevor. Zu den
Initiativen, zu denen die No Global-Aktivisten aufrufen, zählt ein
Protest gegen den EU-Konvent. "Die neue EU-Verfassung ist nicht auf
demokratischer Ebene diskutiert worden. Unserer Ansicht nach hätte die
Debatte über das europäische Grundgesetz auf demokratischere Weise
erfolgen sollen", so der Sprecher der italienischen
Globalisierungsgegner, Vittorio Agnoletto.

Er rief die Globalisierungsgegner zu Protestinitiativen gegen die neue
europäische Verfassung auf, die im zweiten Semester 2003 in Rom
unterzeichnet werden soll. "Die italienischen Globalisierungskritiker
werden in Rom protestieren", so Agnoletto.

Generalstreik gegen Krieg

Die No Global-Aktivisten in Florenz riefen zu einem europäischen
Generalstreik gegen den Krieg auf. "Wir müssen weiterhin Druck auf die
USA ausüben und unsere Opposition zum Krieg zum Ausdruck bringen",
sagte ein Sprecher der Aktivisten. Die Delegationen der europäischen
Globalisierungskritiker verabschiedeten sich in Florenz: Sie wollen
sich nächstes Jahr in Paris wiedersehen.

"Mit der Friedensdemonstration in Florenz haben wir endgültig das
Kapitel von Genua 2001 abgeschlossen. Die Kundgebung ist ein Erfolg
der jungen Aktivisten und der Organisatoren, die sich gegen eine
Verlegung des Europäischen Sozialtreffens gewehrt haben, aber auch der
Sicherheitskräfte, die für einen friedlichen Verlauf der Demonstration
gesorgt haben", sagte der Bürgermeister von Florenz, Leonardo
Dominici, zu Abschluss des Treffens am Sonntag. (APA)


2002-11-10-standard-berlusconi

Quelle: http://derstandard.at/standard.asp?id=1127238

derStandard.at
Europäisches Sozialforum

10. Nov, 2002
16:42 MEZ

Globalisierungsgegner fordern Entschuldigung von Berlusconi

Gruppensprecher Agnoletto: "Wir sind kriminalisiert worden" - Eine
halbe Million Menschen nahm an Friedenskundgebungen in Florenz teil

Florenz - Nach dem erfolgreichen Friedensmarsch in Florenz, an dem
nach Angaben der Polizei eine halbe Million Personen teilgenommen
haben, fordern die Globalisierungsgegner Entschuldigungen von der
Regierung Berlusconi. "Wir sind kriminalisiert worden. Regierungschef
Silvio Berlusconi hat uns als Terroristen angeprangert, dabei hätte
die Massendemonstration in Florenz nicht friedlicher verlaufen
können", betonte der Sprecher der italienischen Globalisierungsgegner,
Vittorio Agnoletto.

Die Massenbeteiligung an der Kundgebung ist vor allem ein Erfolg des
Florentiner Bürgermeisters, dem Politiker der oppositionellen
Linksdemokraten, Leonardo Dominici. Er hatte einen hartnäckigen
Widerstand gegen die Forderung der Regierung nach einer Verlegung des
Europäischen Sozialforums auf eine andere Stadt geleistet. Dominici
war deswegen von Berlusconi scharf attackiert worden. "Florenz ist
eine gewagte Wahl für das Europäische Sozialforum, es wird bestimmt zu
Verwüstungen kommen", hatte der Ministerpräsident noch vergangene
Woche betont. "Wir haben Berlusconi bewiesen, dass ich Recht hatte und
dass Florenz für ein solches multikulturelles Treffen durchaus
geeignet ist", frohlockte der Bürgermeister.

"Alarm war zu groß"

Auch viele Bewohner von Florenz, die die Demonstration erst mit
Skepsis, danach mit zunehmendem Interesse und sogar mit Enthusiasmus
beobachteten, beschuldigten die Regierung, zu großen Alarm um das
Europäische Sozialforum geschlagen zu haben. Sogar die Kaufleute, die
aus Angst vor Ausschreitungen während der Demonstration mehrheitlich
ihre Geschäfte gesperrt hielten, mussten zugeben, dass ihre Sorge vor
dem pazifistischen Demonstrantenstrom unbegründet war. "Wir müssen
einsehen, dass es in Florenz zu keinem zweiten Genua gekommen ist",
betonten sie.

Regierungschef Berlusconi zeigte sich wegen des friedlichen Verlaufs
der Demonstration erleichtert. "Auch unter schwierigen Bedingungen hat
die Regierung das freie Demonstrationsrecht garantiert. Die Teilnehmer
am Europäischen Sozialforum haben positiv reagiert, indem sie auf
friedliche Weise an der Kundgebung teilgenommen haben", betonte
Berlusconi. Er dankte der Polizei, die auf diskrete und effiziente
Weise für die Sicherheit des Treffens gesorgt habe. (APA)


2002-11-10-standard-bericht

Quelle: http://derstandard.at/standard.asp?id=1127674

derStandard.at
Europäisches Sozialforum

10. Nov, 2002
19:42 MEZ

Ein Gipfel ohne Gewalt in Florenz

Trotz Unkenrufen des italienischen Premiers Berlusconi ging das
europäische Sozialforum in Florenz überaus friedlich über die Bühne

Das war das "Comeback der paneuropäischen Friedensbewegung" - so sahen
es viele bei der Abschlussveranstaltung des europäischen Sozialforums,
das am Sonntag in Florenz zu Ende ging. Fünf Tage lang diskutierten
Delegierte aus ganz Europa über die soziale Entwicklung und die
Zukunft der globalisierungskritischen Bewegung. Zu den Veranstaltern
gehörten Gewerkschaften, verschiedene linke Organisationen und das
Netzwerk Attac.

Als Resultat des Gipfels wurde beschlossen, eine eigene Charta im Zuge
der europäischen Verfassungsfindung zu verabschieden, um aus der EU
eine "Europäische Sozialunion" zu formen. Hundert- tausende Menschen
protestierten auch gegen den drohenden Krieg gegen den Irak.

Kritik an Berlusconi

Der friedliche Verlauf der Massenkundgebung und die Vernetzung
zwischen den verschiedenen Organisationen stärkten das
Selbstbewusstsein der Forumsteilnehmer sichtlich. Mobilisiert wurde
auch für das Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre, welches
im Jänner 2003 stattfinden wird. Das Verhalten des italienischen
Premiers Silvio Berlusconi, der im Vorfeld von Tausenden Terroristen,
die Florenz stürmen würden, gesprochen hatte, war Gegenstand heftiger
Kritik. "Wir sind zu Unrecht kriminalisiert worden", meinte etwa der
Mitorganisator Vittorio Agnoletto. Berlusconi selbst zeigte sich über
den friedlichen Verlauf der Demonstrationen erleichtert.

Tatsächlich ging nach Polizeiangaben bei der Massenkundgebung am
Samstag trotz einer Rekordteilnehmerzahl nicht einmal eine
Fensterscheibe zu Bruch. Die Behörden sprachen von 540.000 Menschen,
die Veranstalter von einer Million.

Die Behörden waren offensichtlich um Deeskalation bemüht. Die rund
6000 Exekutivbeamten begleiteten die Kundgebung in Nebenstraßen, es
kam zu keiner einzigen Konfrontationssituation.

Auch die Bewohner von Florenz zeigten sich erleichtert über den
friedlichen Verlauf, viele bekundeten Solidarität mit den
Globalisierungskritikern. Florentiner Geschäftsleute, die aus Angst
vor Vandalismus ihre Läden geschlossen hielten, ärgerten sich über das
verpasste Geschäft: Hungrige Demonstranten irrten zu Tausenden auf der
Suche nach geöffneten Restaurants durch die Stadt.

Die Lokale der Fastfoodkette McDonald's waren überhaupt ganz und gar
aus dem Stadtbild von Florenz verschwunden: die Geschäftsführung hatte
die Firmenlogos vorsorglich abmontieren lassen. "Vielleicht wissen sie
inzwischen selbst, dass ihre Geschäftspolitik falsch ist", meinte der
französische Bauernführer José Bové. "Ich hoffe, dass diese Läden bald
für immer schließen."

(Lea Friessner/Michael Vosatka/DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2002)


2002-11-10-independent

Independent.co.uk

Florence engulfed by world's biggest protest against Iraq war

By Peter Popham in Florence

10 November 2002

The biggest demonstration in the world so far against war in Iraq
engulfed Florence yesterday, at least doubling the city's population
of 350,000 and turning the city's inner ring-road into a mighty river
of protest. The organisers claimed that more than 400,000 people took
part.

Rumours of violence planted by Italy's right-wing parties over recent
months persuaded most city businesses to close for the day and many
Florentines to leave the city. But the enormous march was resoundingly
good humoured. Some participants carried signs reading "We love you
Florence"; citizens responded by hanging white banners of peace out of
their windows and throwing confetti on to the marchers.

"This is the first all-Europe demonstration against the war on Iraq,"
Vittorio Agnoletto, the Italian organiser, told The Independent on
Sunday. "But it won't be the last: tomorrow we are meeting to plan
future protests. We are Italy's real opposition? more than 300
different Italian organisations are taking part. And I am sure there
will be no violence. Look, we are laughing. We cannot change the world
with our anger, only by building consensus."

The protest was more like a carnival than a confrontation. The police
were invisible.  Huge contingents from Italy, Britain, France, Germany
and Greece marched alongside striking Fiat workers, brass bands and
giant puppets.

The demonstration brought to a resounding conclusion Florence's
four-day European Social Forum.

"The war on Iraq is the beginning of a new grand strategy for the
United States," said Susan George, the American vice-chair of the
French group Attac, "the first war not justified by the containment of
aggression.

A member of Vietnam Veterans Against the War said: "We, soldiers in
previous wars, are telling the soldiers of today, don't fight."



2002-11-10-koelner_stadtanzeiger

Quelle: http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1036936202728

Kölner Stadt-Anzeiger

Der globalisierte Widerstand verlief friedlich

VON PETER LINDEN, 10.11.02, 18:17h, aktualisiert 20:28h


Befürchtungen, es könne zu einem Ausbruch der Gewalt kommen,
zerschlugen sich - der Protest des »Europäischen Sozialforums«
verlief friedlich.

Florenz - Aus den Häusern regnete es Konfetti und Schokolade, aus
offenen Fenstern wurde den Demonstranten Kaffee, Wasser und Brot
heraus gereicht, an den Straßenrändern applaudierten Zehntausende von
Einheimischen.  Vermutlich hatten auch die 50 Kölner Studenten, die in
einem Sonderbus zum »Europäischen Sozialforum« in Florenz aufgebrochen
waren, mit einem derartigen Finale nicht gerechnet. Mehr als eine
halbe Million Menschen, darunter Vertreter zahlreicher
globalisierungskritischer Organisationen, zogen auf einem gut sechs
Kilometer langen Marsch vom Messegelände der toskanischen Hauptstadt
bis zum Fußballstadion und demonstrierten friedlich gegen den
geplanten Krieg gegen den Irak und die Ungerechtigkeiten des
Neoliberalismus. Von fast einer Million Teilnehmer sprachen die
Organisatoren, von 450 000 die Behörden.

Ungewöhnliche Schärfe

Spannung lag in der Luft, schon in den Tagen vor der Demonstration,
als immerhin 60 000 Menschen in 340 Seminaren und Workshops die
konkrete Ausgestaltung ihres Leitmotivs »Eine andere Welt ist möglich«
diskutierten. Denn mit ungewöhnlicher Schärfe hatten zunächst die
italienische Regierung und später die konservative Presse gegen das
Sozialforum Position bezogen. So erwog das Kabinett Silvio Berlusconis
noch zehn Tage vor Eröffnung der Veranstaltung ein Verbot, die Rede
war von »Verwüstungen«, die der Stadt Florenz drohten und von einem
Gesetz zum Schutz historischer Monumente vor jeder Art von politischer
Kundgebung. Zudem war das Abkommen von Schengen außer Kraft gesetzt
worden, was zu großen Verzögerungen an den Grenzen führte.

Aus dem Bus der Kölner Studenten war zunächst zwei Mitgliedern von
»Attac« die Einreise verwehrt worden, ehe sich Anwälte einschalteten,
die vorsichtshalber die Arbeit der Grenzpolizei überwachten. Noch
während des durchweg friedlichen Forums hielten zudem die Polemiken
der berühmten Publizistin Oriana Fallaci an, die im
regierungsfreundlichen »Corriere della Sera« die
Globalisierungskritiker pauschal als »elende Söldner« bezeichnet hatte
und sie mit den deutschen Truppen verglich, die 1944 in Florenz
Brücken gesprengt und komplette Straßenzüge verwüstet hatten. Fallaci
rief ihre Mitbürger auf, »Türen und Fensterläden zu schließen, die
Kinder nicht in die Schulen zu schicken«, und überall ihre
»Verachtung« zu zeigen. Erfolg hatte sie vornehmlich bei zahlreichen
Geschäftsleuten, die sich am Samstag wahrscheinlich hohe Einnahmen
entgehen ließen; jene, die öffneten und mit dem überall präsenten
Schild »Florenz - Offene Stadt« um Kunden warben, konnten sich vor
Andrang jedenfalls kaum retten.

Auch, wenn Berlusconi angesichts der friedfertigen Massen noch am
Samstag rückwärts ruderte und verkünden ließ, seine Regierung habe
schließlich die Demonstrationsfreiheit »geschützt« - den Erfolg des
Forums können sich allein die Veranstalter sowie die linke
Stadtregierung unter Bürgermeister Leonardo Domenici auf ihre Fahnen
schreiben.  Domenici sagte am Rande der Demonstration, es gebe nun
wohl einige Personen, »die sich bei uns entschuldigen müssen«. Von
Anfang an hatte er das Forum begrüßt und den Teilnehmern sogar Briefe
aushändigen lassen, die ermäßigten oder freien Eintritt in die
angeblich bedrohten Museen garantierten. Das Forum selbst war ein
chaotisches, aber auch ein produktives Treffen einer Bewegung, die
2001 nach dem G8-Gipfel von Genua aus dem Schattendasein trat und
seither Hunderttausende mobilisiert.

Chaotisch, weil niemand die Gelegenheit hatte, die 340
Diskussionsrunden zu überblicken oder gar zu besuchen, und weil sich
die Globalisierungskritiker nach wie vor als äußerst schillernde
Gruppe präsentieren: Umweltschützer, Anarchisten, Marxisten,
Gewerkschafter, Kommunisten, Menschenrechtler sind
versammelt. Produktiv, weil überall der Wille zu gemeinsamem Handeln
im Vordergrund stand und zur Umsetzung einer Parole, unter der das
ganze Forum firmierte: »Globalisiert den Widerstand«.

Am Ende tauchte noch der grüne Abgeordnete Hans-Christian Ströbele
auf. Der deutsche Parlamentarier kündigte einmal mehr an, unter keinen
Umständen für einen Krieg gegen den Irak zu stimmen. Welche Kraft die
Bewegung der Globalisierungskritiker im Ausland gewonnen hat, zeigte
sich vor allem während der anschließenden Rede Fausto Bertinottis,
dessen »Rifondazione Comunista« in vielen Gemeinden Italiens
mitregiert, und deren Stimmanteil sich in Umfragen der
Zehn-Prozent-Marke nähert. Bertinotti warb erst gar nicht für eine
Versöhnung der jungen Bewegung mit den alten, stalinistischen
Parteien. Immer sei es so gewesen, sagte der 62-Jährige unter dem
Jubel von über 10 000 jungen Menschen, dass Politik auf den Straßen
und Plätzen gemacht werde: »Die kapitalistische Globalisierung hat
alle ihre Versprechen gebrochen.«

Ein anderes Versprechen gaben hingegen Regierungschef Berlusconi und
der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi. Sie
erklärten, es sei höchste Zeit, sich ernsthaft mit den
Globalisierungskritikern auseinander zu setzen. Zu lange habe man sie
ignoriert oder isoliert.  Inzwischen reichten ihre Bedenken bis weit
hinein in die Parlamente hinein. »Ab jetzt müssen wir sie hören«,
sagte Prodi, der sich häufig negativ über die »konfusen«
Globalisierungskritiker geäußert hatte. Er fügte hinzu: »In diesen
Zeiten der Veränderung ist die Stimme der jungen Menschen von größter
Bedeutung«.

Copyright 2002 Kölner Stadt-Anzeiger


2002-11-10-netzeitung

URL dieses Artikels: http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=214671


Netzeitung

Hunderttausende protestieren gegen Irak-Krieg
09. Nov 16:19, ergänzt 10. Nov 00:06

In Florenz sind mehrere hunderttausend Menschen gegen einen Irak-Krieg
auf die Straße gegangen. Die Demonstration war der Höhepunkt des
Europäischen Sozialforums.

In Florenz haben am Samstag mehrere hunderttausend Menschen gegen
einen Irak-Krieg demonstriert. Beobachter schätzen die Zahl der
Teilnehmer auf 300.000. Der Protestmarsch startete eine Stunde früher
als geplant, weil am Startpunkt nicht mehr genügend Platz für die
ankommenden Menschen war.

Die Proteste verliefen friedlich. Bis zu 6000 Polizisten waren im
Einsatz. Die Polizei befürchtete Ausschreitungen wie beim G8-Gipfel in
Genua im vergangenen Jahr. Die Großdemonstration galt aber auch als
Bewährungsprobe für die italienische Polizei, nachdem es am Einsatz
während des G8-Gipfels heftige internationale Kritik gegeben
hatte. Italienische Polizisten hatten einen Demonstranten erschossen
und hunderte verletzt.

Die Massendemonstration gegen einen Irak-Krieg war der Höhepunkt des
Europäischen Sozialforums. Etwa 50.000 Menschen hatten seit Mittwoch
in Konferenzen, Seminaren und Workshops über die Themen
Neoliberalismus, Rassismus, Armut und Krieg diskutiert. Das
Sozialforum wurde unter anderem von Gewerkschaften, linken
Organisationen und dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac
veranstaltet. (nz)


MEHR IN DER NETZEITUNG
Sozialforum gegen Militarisierung der EU
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=214579
Demonstranten an Grenze zu Italien abgewiesen
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=214267
200.000 Demonstranten bei Sozialgipfel in Florenz erwartet
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=214081
Krawalle bei Sozialforum in Florenz befürchtet
http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=3&item=213616


2002-11-10-news_ch

Quelle: http://www.news.ch/detail.asp?ID=123567

news.ch
Sonntag, 10. November 2002 / 11:23:27

Globalisierungsgegner fordern Entschuldigung von Berlusconi

Florenz - Nach dem erfolgreichen Friedensmarsch in Florenz, an dem
nach Angaben der Polizei eine halbe Million Personen teilgenommen
haben, fordern die Globalisierungsgegner Entschuldigungen von der
Regierung Berlusconi.

Wir sind kriminalisiert worden. Regierungschef Silvio Berlusconi hat
uns als Terroristen angeprangert, dabei hätte die Massendemonstration
in Florenz nicht friedlicher verlaufen können, betonte der Sprecher
der italienischen Globalisierungsgegner, Vittorio Agnoletto.

Die Massenbeteiligung an der Kundgebung ist vor allem ein Erfolg des
Florentiner Bürgermeisters, dem Politiker der oppositionellen
Linksdemokraten, Leonardo Dominici. Er hatte einen hartnäckigen
Widerstand gegen die Forderung der Regierung nach einer Verlegung des
Europäischen Sozialforums auf eine andere Stadt geleistet.

Dominici war deswegen von Berlusconi scharf attackiert worden. Florenz
ist eine gewagte Wahl für das Europäische Sozialforum, es wird
bestimmt zu Verwüstungen kommen, hatte der Ministerpräsident noch
vergangene Woche betont. Wir haben Berlusconi bewiesen, dass ich Recht
hatte und dass Florenz für ein solches multikulturelles Treffen
durchaus geeignet ist, sagte Dominici.

Auch viele Bewohner von Florenz, die die Demonstration erst mit
Skepsis, danach mit zunehmendem Interesse und sogar mit Enthusiasmus
beobachteten, beschuldigten die Regierung, zu großen Alarm um das
Europäische Sozialforum geschlagen zu haben.

Regierungschef Berlusconi zeigte sich wegen des friedlichen Verlaufs
der Demonstration erleichtert. Auch unter schwierigen Bedingungen hat
die Regierung das freie Demonstrationsrecht garantiert.

Die Teilnehmer am Sozialforum hätten positiv reagiert, indem sie auf
friedliche Weise an der Kundgebung teilgenommen hätten. Berlusconi
dankte der Polizei für die diskrete und effiziente Weise, welche für
die Sicherheit des Treffens gesorgt habe.

fest (Quelle: sda)


2002-11-10-nyt

The New York Times Sponsored by Starbucks
November 10, 2002

Florence Wary as Opponents of War Stage a Huge March

By FRANK BRUNI


FLORENCE, Italy, Nov. 9 Hundreds of thousands of demonstrators marched
through the streets here today to protest a possible military strike
against Iraq, chanting antiwar slogans and throwing this Renaissance
capital into a jittery state of alert.

The protesters represented a loose coalition of opponents of
globalization who came here this week for a political
conference. Tense Italian government officials feared a reprise of the
bloodshed and chaos that erupted at an antiglobalization demonstration
in Genoa last year.

About 5,000 police officers fanned out across the city to monitor the
march and guard Florence's artistic and architectural treasures, some
of which were also fenced off for protection. Hundreds of stores and
restaurants closed, covering their glass facades with sheets of metal
or plywood, as if preparing for a hurricane.

But by this evening, as marchers danced at a concert outside a stadium
at the end of the four-mile route, there were no reports of serious
violence.

The protesters toted placards, flags and banners in half a dozen
European languages, many of which urged President Bush and Western
European leaders not to attack Iraq.

"I think it's important to send a clear message to Bush and world
leaders that if they go to war in Iraq, they're not doing it for a
majority of people, and a lot of people object," said Darrell
Goodliffe, 21, who had traveled to Florence from a small town near
Cambridge, England.

Other demonstrators said their opposition to the war and their qualms
over globalization were connected by a conviction that Western
governments were motivated more by greed or imperialism and
mistreating the world's less powerful people.

"We're protesting for peace in general, in every possible sense, in
every possible meaning," Martina Cambi, 27, of Florence, said as she
used eyeliner to paint Y-like shapes on the brows of friends. They
worried aloud that the result looked more like Mercedes symbols than
peace signs.

Amadeo Rossi, 48, of Turin, Italy, said he was demonstrating "against
the war in Iraq, the mistreatment of immigrants and the abuses of the
Italian government all of the problems in the world."

Although forum organizers said there were as many as a million people
at the march, the official government estimate was 450,000.

Many of the demonstrators arrived in Florence on Wednesday, at the
beginning of a five-day conference of a coalition calling itself the
European Social Forum.  It was intended to unite various groups, from
environmentalists and labor unions to latter-day Communists, with
concerns about globalization.

The last huge antiglobalization demonstration in Italy was during a
summit meeting of the world's major industrialized nations in Genoa in
July 2001.  Rioting broke out, and one protester was shot dead by a
Carabinieri paramilitary officer, while hundreds more were wounded in
clashes with the police.

Still haunted by that melee, Italian officials debated whether to
allow demonstrators to gather here this week. They approved the event
only after deciding to tighten border controls in an effort to turn
away demonstrators with criminal backgrounds.

The event's organizers, for their part, agreed to move the route of
the march, the highlight of the five-day gathering, away from the city
center.

Even so, a fierce debate among Italians about the wisdom and merit of
the forum persisted. On Wednesday, one of the country's leading
newspapers, Corriere della Sera, published a front-page opinion piece
by the journalist Oriana Fallaci, a native of Florence, who denounced
the protesters and urged Florentines to spurn them.

"Don't even look at them," wrote Ms. Fallaci, who also recommended
that Florentines shutter the entire city. She said the protesters were
demanding peace from Mr. Bush, but not from President Saddam Hussein
of Iraq or Osama bin Laden.

The days leading up to the march were peaceful, but many Florentines
had already fled town, leaving the narrow cobblestone streets in the
city center oddly deserted.

Demonstrators said Florentines had misunderstood their
intentions. "There are no barbarians here, only young people against
war who want to meet and exchange ideas," said Leonardo Sacchetti, a
spokesman for the forum.

Those young people seemed to be in a frame of mind more festive than
combative, and at one point, when a minor scuffle broke out between
about a dozen protesters, other protesters shouted, "Shame! Shame!"

As the demonstrators marched, many blew whistles, a shrill sound that
competed with music from a 25-piece band. Others ate pizza as they
walked, while a few glided along on in-line skates. A young woman with
face paint that resembled a clown's climbed up a tree, then swung
around the branches as if they were uneven parallel bars.

Whenever demonstrators passed stores with boarded-up windows, they
scribbled notes on the wood.

The message outside a closed McDonald's restaurant said, "We wouldn't
have gone in, anyway."

On the plywood in front of a shop, someone had written, "Closed for
stupidity."  Someone else had scrawled, "Hello, Oriana."

But another marcher had left a slightly sinister message. "I will
return when you're open, and then . . ." it said.


Copyright The New York Times Company


2002-11-10-vistadpa

Quelle: http://www.vistaverde.de/news/Politik/0211/09_sozialforum.htm

VistaVerde / dpa
10.11.2002

Anti-Global-Gipfel in Florenz: Bunt, verwirrend und undogmatisch

Vielfältig und verwirrend ist das Angebot auf dem ersten europäischen
« Anti-Global-Gipfel » in Florenz. Der drohende Krieg gegen den Irak ist
jedoch das beherrschende Thema.

Von Peer Meinert, dpa

Florenz (dpa) - Bevor sich die Globalisierungs-Kritiker am Donnerstag
in Florenz zu ihrer Konferenz zusammensetzten, gab es erst einmal eine
Demonstration gegen die Amerikaner. Vor einer US-Militärbasis
verbrannten sie eine US-Flagge und schwenkten rote Fahnen. Ein paar
Tausend Leute waren dabei, alles verlief ruhig. Kein Thema bewegt das
« Europäische Sozialforum » mehr als der drohende Waffengang gegen den
Irak. Zum Thema Krieg gibt es Seminare, Workshops und jede Menge
Plakate. Jeder fühlt sich angesprochen. « Bundeswehr raus aus der
Golfregion », heißt es auf einem Plakat, sogar auf Deutsch.

« Globalisierung und Krieg: Zwei Seiten der gleichen Medaille », nennt
sich ein Workshop auf dem riesigen Kongressgelände der
Toskana-Metropole. « Der globalisierte Kapitalismus braucht den Krieg,
um sich durchzusetzen ». Das klingt nach alten, gefälligen Formeln aus
den Zeiten der Studentenbewegung.

Andere Themen drohen da fast ein bisschen unterzugehen. Vielfältig und
verwirrend ist das Angebot auf dem ersten europäischen
« Anti-Global-Gipfel ». Viele der etwa 15.000 Teilnehmer rückten am
Donnerstag mit Rucksack und Thermomatte auf dem Rücken an. Es ist
nicht gerade einfach, sich zurechtzufinden.

Da gibt es Veranstaltungen wie « Lesben, Schwule und Globalisierung »,
Frauen aus Frankreich berichten über « Die Wurzeln der
Männerherrschaft ». Ökologen meinen, die jüngsten Überschwemmungen in
Prag und Dresden seien ein Ausdruck der globalen Umweltkrise. Und
selbst der Mann, der die belegten Brötchen verkauft, nutzt die Chance
zur politischen Botschaft: « Die italienische Landwirtschaft stirbt »,
steht über seinem Stand geschrieben. Schuld seien gentechnisch
manipulierte Produkte und die Herrschaft der Agrar-Multis.

Es sind nicht nur junge Leute, die nach Florenz gekommen sind. Auch
Ältere sind dabei, gar nicht so wenige leicht angegraut, manche haben
Jahrzehnte der « Opposition gegen das System » hinter sich. Tatsächlich
ist die Bewegung der Globalisierungs-Kritiker erst ein paar Jahre
jung, aber manche Botschaften sind viel älter.

Da referiert etwa eine auch nicht mehr ganz junge Belgierin bei der
Eröffnungsveranstaltung gegen die Verschuldung der Dritten Welt. « In
20 Jahren hat die Dritte Welt 3500 Milliarden Dollar an die reichen
Länder bezahlt. » Zum « Instrument der Erpressung » sei die Schuldenfalle
geworden. Schon 1991 hätten die Amerikaner die Regierung in Kairo nur
zum Mitmachen im Golfkrieg bewegen können, weil sie ihr großzügigen
Schuldenerlass versprochen hätten.

« Der große Unterschied zur Studentenbewegung ist es, dass die
Globalisierungs-Kritiker keinen Absolutheitsanspruch haben », meint ein
älterer Herr aus Deutschland, der sich selbst als « marxistisch
denkender Mensch » bezeichnet. Tatsächlich gibt in Florenz kaum mehr
eine Gruppe vor, so etwas wie ein Patentrezept gegen die Übel der Welt
gefunden zu haben. « Es gibt auch keine Beschlüsse und keine
Abschlusspapiere. » Auch politische Parteien sind « ausdrücklich
unerwünscht ». Statt dogmatischer Verengung herrscht in Florenz bunte
Vielfalt. Nur für die große Abschluss-Demonstration am Samstag ist der
Gegner klar ausgemacht - die Kriegspläne der Amerikaner gegen den
Irak.


2002-11-10-interviewdpa

Quelle: http://www.vistaverde.de/news/Politik/0211/10_sozialforum.htm

VistaVerde / dpa
10.11.2002

Globalisierungs-Kritiker: « Wir sind nicht gegen den Weltmarkt »

Das Treffen der Globalisierungs-Kritiker in Florenz hat nach den
Worten eines Experten deutlich gemacht, dass sich die Bewegung von
einer einseitigen Ablehnung des Welthandels und der wirtschaftlichen
Globalisierung verabschiedet hat.

Florenz (dpa) - « Wir sind nicht gegen den Weltmarkt », sagte der
Sprecher der deutschen ATTAC- Sektion, Hugo Braun, in einem
dpa-Gespräch. « Im Gegenteil: Der Zugang zum Weltmarkt ist für jedes
Land unerlässlich. » Entscheidend sei aber, dass « die Globalisierung
sozial, gerecht und demokratisch gestaltet wird ». Zugleich bestritt
er, dass die Mehrheit der Globalisierung-Kritiker anti-amerikanisch
eingestellt sei.

Das ATTAC-Netzwerk, das in über 20 Ländern aktiv ist, bekämpft die
« Diktatur der Finanzmärkte » und fordert Steuern auf internationale
Finanztransaktionen (Tobin-Steuer) und Schuldenerlass für die Dritte
Welt. « Es ist gerade eines der größten Übel, dass viele
Entwicklungsländer keinen echten Zugang zum Weltmarkt haben », sagte
Braun etwa mit Blick auf Agrarprotektionismus der EU. Dies müsse
endlich verändert werden.

« Nach wie vor sterben jeden Tag 30 000 Kinder an Hunger und
vermeidbaren Krankheiten », sagte Braun. Diese Zahl habe sich seit
vielen Jahren kaum verringert. « Es wird einfach immer klarer, dass der
heutige Prozess der wirtschaftlichen Globalsierung nicht in der Lage
ist, die Probleme der Menschheit zu lösen. » Diesem Phänomen schenkten
auch die europäischen Linksparteien zu wenig Beachtung.

Zugleich widersprach Braun der These, Globalisierungs-Kritiker seien
zumeist anti-kapitalistisch eingestellt. « Gerade etwa die ökonomischen
Erfolge in China zeigen, dass man die Vorteile des Marktes mit denen
der Planung verbinden kann. » Allerdings sei « der Marxismus nicht
unmodern geworden », meinte Braun. Die « neue Bewegung » zeichne sich
gerade dadurch aus, dass sie Dogmatismus ausschließe.

Auch Terrorismus und Gewalt als Mittel der Politik lehne sie eindeutig
ab. « Die Bewegung ist nicht anti-amerikanisch », man sei allerdings
entschieden gegen einen Irakkrieg. « Dieses Thema haben nicht die
Globalisierungs-Kritiker erfunden, das hat uns George Bush diktiert. »


2002-11-10-tagesschau_giegold_interview


tagesschau.de

10.11.2002

Globalisierung - Bedrohung oder Königsweg?

Über eine halbe Million Menschen haben in Florenz gegen einen möglichen
Irak-Krieg demonstriert. Die Kundgebung ist Abschluss und Höhepunkt des
Europäischen Sozialforums der Globalisierungsgegner.

Vor Ort ist einer der Mitbegründer der deutschen ATTAC-Bewegung, Sven Giegold.
Der 32-jährige Ökonom betrachtet die derzeitige Entwicklung eher mit Sorge.
Globalisierung, so Giegold, habe viele Vorteile, führe aber gleichzeitig zu
einer fundamentalen sozialen Lücke.

Oliver Knipping, Chef des "Instituts für unternehmerische Freiheit" in Berlin,
vertritt dagegen eine andere Position. Knipping macht sich für ungebremsten
Freihandel und gegen jede Form der staatlichen Intervention stark.

tagesschau.de sprach mit Giegold und Knipping über ihre Vorstellungen von
Globalisierung, die Zukunft des Kapitalismus und das Treffen in Florenz. Beide
beantworteten die gleichen Fragen, jedoch getrennt voneinander, zur besseren
Lesbarkeit wurden die Antworten zusammengefügt.

Globalisierung ja - aber anders

tagesschau.de: Was sind Ihrer Meinung nach die entscheidenden Aspekte der
Globalisierung?

Giegold: Globalisierung hat natürlich soziale, kulturelle und ökonomische
Aspekte. Im positiven Sinne: Menschen begegnen sich, Ideen fließen um den
Globus. Das sind Dinge, die richtig und gut sind. Auf der anderen Seite gibt es
die ökonomische Globalisierung, die viele Vorteile hat, aber zu einer
fundamentalen sozialen Lücke führt. Die Regulierung, die bisher soziale
Gerechtigkeit, Demokratie und Ökologie zumindest ein Stück weit gesichert hat,
verbleibt auf der nationalstaatlichen Ebene, während das Kapital inzwischen
global agiert und damit den sozialen Kontrakt, den wir geschlossen haben,
aufhebelt. Es gibt keine globale Staatlichkeit, die in irgendeiner Form die
wirtschaftlichen Kräfte zivilisiert.

Knipping: Entscheidende Aspekte der Globalisierung wären theoretisch Freihandel
und freies Unternehmertum. Das gibt es aber heute nicht. Daher bin ich auch
nicht für eine Globalisierung, wie wir sie heute haben. Richtig wäre Freihandel
und freies Unternehmertum ohne Regulierung: Ohne staatliche Willkür, ohne
staatliche Intervention in individuelle und unternehmerische Handlungsfreiheit.

tagesschau.de: Welche Zukunft prophezeien Sie dem kapitalistischen
Wirtschaftssystem? Ist ein Gegenentwurf oder eine Weiterentwicklung
erforderlich?

Giegold: Attac hat keine umfassende Position zur Frage des Kapitalismus oder
der Zukunft des Kapitalismus. In jedem Falle bedarf eine Globalisierung des
kapitalistischen Systems aber einer intensiven Regulierung und Kontrolle. Das
heißt wir brauchen soziale, ökologische und demokratische Standards, einerseits
auf der internationalen Ebene, damit die Nationalstaaten nicht mehr
gegeneinander ausgespielt werden können. Und zweitens brauchen wir auf der
nationalen Ebene Reformen, die soziale, ökologische und demokratische Standards
auch unter den Bedingungen der Globalisierung auf einem hohen Niveau haltbar
machen.

Knipping: Ich prophezeie dem kapitalistischen Wirtschaftsentwurf die einzige
Zukunftschance. Jeder Gegenentwurf hat einfach keine Chance. Leider Gottes
haben wir jetzt auch nichts, was irgendwie mit Kapitalismus zu tun hat. Heute
haben wir Enteignung sämtlicher Bürger in Deutschland und im Ausland. Steuern
sind meiner Ansicht nach Diebstahl. Wenn wir eine Staatsquote von 50 Prozent
haben, kann man das überhaupt nicht mehr als Marktwirtschaft bezeichnen. Dann
ist das einfach eine Staatswirtschaft.

Kapitalismus und Wohlstand

tagesschau.de: Die reichen Länder werden immer reicher, die armen werden immer
ärmer: Wie kann man diese Entwicklung aufhalten?

Giegold: Der Fakt ist nicht ganz richtig: Einige der armen Länder haben es dank
Globalisierung auch geschafft, reicher zu werden. Aber viele andere haben keine
Vorteile erreichen können. Es gibt international unfaire Spielregeln. Im
Welthandel ist es so, dass Agrarprodukte und Textilien, die vor allem arme
Länder produzieren, unfaire Zugangsbedingungen haben. Im Finanzbereich  hat die
Öffnung der Finanzmärkte, dieses völlig unregulierte Hinein- und Hinausfließen
von Kapital, den ärmsten Ländern stark geschadet. Das heißt: Es braucht
Spielregeln und Strukturen, die absichern, dass arme Länder daran partizipieren
können. Natürlich müssen auch die Entwicklungsländer selbst ihren Beitrag dazu
leisten, indem sie stabile Strukturen vor Ort schaffen. Es sind nicht nur die
armen Länder selbst verantwortlich. Es sind auch die globalen unfairen
Strukturen, die vom internationalen Währungsfonds, von der
Welthandelsorganisation und der Weltbank vorangetrieben werden, die zur
Vertiefung der Ungleichheit beitragen. Natürlich müssten die Schulden der armen
Länder gestrichen werden.

Knipping: Wenn Sie sich Statistiken ansehen, dann wird sehr deutlich, dass
gerade durch die Globalisierung und das freie Unternehmertum zwar reiche Länder
reicher geworden sind, aber gleichzeitig die Wachstumsrate in armen Ländern die
Wachstumsrate wesentlich höher war als in Industrieländern. Das ist in
Entwicklungsländern und auch in Transformationsländern, in ganz Osteuropa zum
Beispiel, der Fall. Auch sind die Lebenserwartung, das
Wirtschaftswachstum und das Pro-Kopf-Einkommen gestiegen. Statistiken
zufolge haben die Länder, die am wenigsten frei sind, ein Pro-Kopf-Einkommen
von etwa 2210 US-Dollar. Die reichsten Länder, das sind gleichzeitig auch die
freiesten (mit den freiesten Wirtschaftssystemen), haben dagegen ein
Pro-Kopf-Einkommen von 19.846 US-Dollar. Es gibt also eine Korrelation
zwischen Freiheit, also unternehmerischer und individueller Freiheit, und
Wohlstand und Wachstum.

Regulierung oder freier Markt?

tagesschau.de: Unternehmerische Freiheit oder staatliches Eingreifen  was kann
das Wohl einer Gemeinschaft besser gewährleisten?

Giegold: Das ist eine falsche Alternative. Es geht nicht um Entweder-Oder.
Unternehmerische Freiheit ist zum Beispiel gut, um das Schuhe-Verkaufen in der
Republik zu organisieren. Auch viele andere wirtschaftliche Funktionen können
durch den Markt vernünftig erfüllt werden. Aber wenn es darum geht, das
Überleben auf unserem Planeten zu sichern, im Umweltbereich Maßnahmen
durchzuführen, dafür zu sorgen, dass Wohlstand gleichmäßig verteilt ist, dass
Menschen in vernünftigen Arbeitsbedingungen arbeiten und ein Maß an sozialer
Sicherheit gewährleistet ist: Das kann der Markt aus sich heraus nicht
generieren. Dafür braucht man Regulierung. Das haben wir gelernt seit dem
"Manchester-Kapitalismus". Damit Kapitalismus nicht tyrannisch wird, braucht
man eine starke Regulierung in verschiedenen Bereichen. Es geht um eine
intelligente Kombination. Genau diese Kombination ist in Zeiten der
Globalisierung aber in Gefahr, weil es dabei immer schwieriger wird, staatliche
Regulierung noch aufrechtzuhalten. Das Kapital kann immer sagen: Dann gehen wir
eben woanders hin.

Knipping: Das Wohl einer Gesellschaft kann natürlich nur individuelle und
unternehmerische Freiheit garantieren. Der Staat  das sagte schon Friedrich
August von Hajek, der große liberale Ökonom und Nobelpreisträger  kann einfach
nicht planen. Es ist nicht möglich zentralplanerisch zu planen, weil der Staat
einfach kein wirtschaftliches Optimum vorherbestimmen kann. Das geht nur durch
individuelle und marktliche Entscheidung. Der Markt ist ein Suchmechanismus.
Man könnte ihn auch als Entdeckungsverfahren bezeichnen, wie Hajek das gemacht
hat. Und nur der führt zur optimalen Lösung, nicht irgendwelche staatlichen
Interventionen, allein schon auf Grund mangelnden Wissens.

Regulierung ist von Interessen geprägt

tagesschau.de: Was halten Sie von einer weltweiten wirtschaftspolitischen
Steuerung durch Organisationen?


Giegold: Wir brauchen stärkere globale wirtschaftliche Institutionen. Es gibt
einen Mangel an Regulierung auf der internationalen Ebene. Auf der anderen
Seite hängt es natürlich entscheidend davon ab, in wessen Interesse dort
reguliert wird. Zur Zeit gibt es in wichtigen Feldern wie zum Beispiel der
Fiskalpolitik viel zuwenig internationale Kooperationen. Dagegen gibt es in
Bereichen, in denen es um die Durchsetzung harter ökonomischer Interessen geht,
sehr erfolgreiche Regulierung. Sie operiert allerdings im Interesse einer
kleinen Minderheit. Ich zitiere den Internationalen Währungsfonds oder auch die
Welthandelsorganisation. Dort wird ganz bewusst in einer Weise Globalisierung
gestaltet, die nur wenigen nützt und nicht der Mehrheit, insbesondere den
Ländern des Südens nicht.

Knipping: Eine weltweite wirtschaftspolitische Steuerung ist erstens nicht
möglich, weil einzelne Länder ausscheren würden. Zweitens halte ich es für
kompletten Unsinn, eine weltweite wirtschaftspolitische Steuerung zu machen und
auch weltweite wirtschaftspolitische Steuern zu implementieren. Man kann kein
Optimum planen. Das hat die gesamte Sowjetunion versucht, das versuchte China
jahrelang, das versuchte Nord-Korea. Schauen Sie sich Nord- und Süd-Korea an
und überlegen Sie, wo Sie selbst lieber leben würden: In einem zentralgeplanten
Staat, der bettelarm ist oder in Süd-Korea, das mittlerweile zu den zehn
größten Wirtschaftsnationen gehört und in den sechziger Jahren ein Niveau hatte
wie Bangladesch. Freiheit bringt Wachstum und Wohlstand für die Bevölkerung,
eine längere Lebenserwartung und geringere Säuglingssterblichkeits-Raten.

"Globalisierung und Krieg"

tagesschau.de: Die Abschlusskundgebung des Europäischen Sozialforums in Florenz
richtet sich sowohl gegen Globalisierung als auch gegen einen möglichen
Irak-Krieg und zieht eine klare Verbindung zwischen beiden. Besteht diese?

Giegold: Man muss einfach feststellen, dass wir parallel zu der laufenden
Globalisierung auch eine neue Qualität des Militärischen haben. Vor allem die
Vereinigten Staaten, aber auch andere Länder in deren Schlepptau, sind bereit,
in Fällen zu intervenieren, wo früher eigentlich klar war, dass das nicht legal
ist. Das Völkerrecht verbietet schlichtweg Interventionen, wie wir sie jetzt in
Afghanistan gesehen haben, aber auch im Kosovo und im Irak. Es gibt also auch
eine Aufweichung internationalen Rechts durch die mächtigsten Länder dieser
Welt. Zum zweiten ist es auch klar, dass es angesichts knapper werdender
Ressourcen einfach strategische Interessen gibt, sich gerade den Raum um den
persischen Golf herum zu sichern.

Knipping: Ein Zusammenhang zwischen Globalisierung und Krieg ist völliger
Unsinn. Mc Donald's gilt ja oft als "das ganz böse Symbol des Kapitalismus". Es
gibt den sogenannten "Pax Mc Donald's": Es hat noch nie einen Krieg zwischen
zwei Ländern gegeben, die beide einen Mc Donald's haben, das nur so als kleine
Anekdote nebenbei. Ich denke nicht, dass es da irgendeinen weiteren
Zusammenhang zwischen Globalisierung und Krieg gibt. Ich denke, dass der Irak,
ob er nun Taliban schützt oder nicht, ein Unrechtsregime ist, das eine
menschenverachtende Politik macht. Aber ich werde mich weder für noch gegen
einen Krieg aussprechen.

Sozialforum - Raum für ernste Diskussion oder "Klön-Runde"?

tagesschau.de: Beim Europäischen Sozialforum in Florenz gibt es weder
Beschlüsse noch Abschlusspapiere. Was ist von diesem Treffen zu erwarten?

Giegold: Beschlüsse und Abschlusspapiere gibt es nicht, weil das Forum ein
Lern- und Diskussionsraum ist. Wir möchten uns nicht damit belasten,
Formulierungsentscheidungen diskutieren zu müssen. Hier geht es darum, dass
aktive Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Teilen Europas zusammenkommen
und gemeinsam konkrete Themen und Lösungen diskutieren. Ich bin zum Beispiel
ich beteiligt an der Gründung eines europäischen Netzwerkes zur Eindämmung von
Steuerkonkurrenz und Steuerflucht. Es gibt sind sehr spannende inhaltliche
Diskussionen, die parallel in Dutzenden von Seminaren und Workshops
stattfinden. Das ist der gute Teil der Globalisierung. Menschen aus
verschiedenen Teilen der Welt kommen zusammen und tauschen sich aus. Sie
diskutieren über Alternativen und bringen diese Inspiration wieder zurück in
ihre eigenen Länder.

Knipping: Auf dem Sozialforum gibt es wahrscheinlich eine nette Klön-Runde, es
wird ein bisschen diskutiert und geschimpft, dass Sozialpolitik und eine
weltweite Koordinierung sehr wichtig seien -  auch Solidarität sei sehr
wichtig. Das sind alles Begriffe, mit denen man sehr gerne herumwirft, die aber
dabei undefiniert bleiben. Solidarität ist zum Beispiel für mich etwas sehr
Freiwilliges, ein übrigens auch sehr liberales Konzept. Dieser Begriff wird von
den Globalisierungsgegnern und Sozialisten (dafür halte ich auch sehr viele der
Teilnehmer von Florenz) permanent ausgehöhlt. Die Beschlüsse, die dort
getroffen werden  das ist eine nette Talkshow, ein schöner Klüngel und man
bestätigt sich selbst, dass der Sozialismus doch besser sei. Wenn gesagt wird,
man wolle eine gerechte Gestaltung, dann riecht das für mich nach Sozialismus.

Umsetzung und Interviews: Andrea Kaeser, tagesschau.de

© 2002 tagesschau.de


2002-11-11-epd

Quelle: Märkische Allgemeine, 11.11.2002

Friedliche Demonstration in Florenz
500 000 protestieren gegen Irak-Krieg

FLORENZ Mehr als 500 000 Menschen haben am Samstag in Florenz beim
Europäischen Sozialforum gegen einen Krieg im Irak demonstriert. Die
Polizei gab die Teilnehmerzahl beim Marsch am Rande der Innenstadt mit
fast 500 000 an, während die Veranstalter von einer Million
Demonstranten sprachen. Die Großdemonstration mit einem anschließenden
Konzert war das Ende des dreieinhalbtägigen Forums von
Globalisierungegnern.

Bis zu 40 000 Menschen hatten sich unter dem Motto "Ein anderes Europa
ist möglich" an den Versammlungen, Seminaren und Workshops beteiligt.
Damit wurden die Erwartungen von Veranstaltern und Behörden weit
übertroffen. Nach dem Weltsozialforum von Porto Alegre war es die
erste derartige europäische Versammlung.

Mit Slogans gegen den Krieg und westliche Regierungen zogen die
Demonstranten unter dem Schutz von 3500 gewerkschaftlichen
Ordnungswächtern weitgehend ohne Zwischenfälle durch die Stadt. Ein
massives Polizeiaufgebot von 7000 Beamten hielt sich für die
Demonstranten weitgehend unsichtbar in den umliegenden Straßen bereit.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi betonte: "Die Regierung hat unter
schwierigen Bedingun