9. November 1938-9. November 2003

Deutschland denken heißt Auschwitz denken!

Antisemitismus und Antizionismus Bekämpfen!


 

Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen Kategorischen Imperativ aufgezwungen, ihr Denken und Handeln so einzurichten dass Auschwitz sich nicht wiederhole nicht ähnliches geschehe.” (T. W. Adorno)

 

Mit dem 9. Nov 1938 wurde im gesamten deutschen Reichsgebiet die letzte Phase der Entrechtung, Enteignung und Vernichtung der deutschen  Juden eingeläutet. Im gesamten Reichsgebiet wurden Synagogen, jüdische Geschäfte und Privatwohnungen angegriffen, angezündet und zerstört. Jüdinnen und Juden wurden auf offener Straße von SA, SS und den ganz normalen Deutschen angriffen und zum Teil ermordet. Es kam überall zu Verhaftungen, so dass im Zusammenhang mit dem 9. November 30.000 Jüdinnen und Juden in die damals schon bestehenden Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt wurden. Der Vorwand für dieses Pogrom war die Ermordung des Dritten Sekretärs an der Deutschen Botschaft in Paris Ernst von Rath durch den 17-jährigen polnischen Juden Hershel Grynszpan.

 

Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen.” (Primo Levi)

 

Spätestens der 9. November und der folgende Massenmord an den europäischen Juden hat eindeutig und unwiderlegbar bewiesen, dass der Antisemitismus in letzter Konsequenz auf nichts anderes als auf die Vernichtung der Juden hinausläuft und dass es einen Staat geben muss, der explizit Jüdinnen und Juden vorbehalten ist, um sie mit staatlicher Gewalt, welche auch militärische impliziert, vor dem Griff ihrer Mörder weltweit zu schützen notwendig ist. Wenn wir also am 9. November den Opfern der Shoa gedenken, dann dürfen wir nicht vergessen, dass der Staat Israel als jüdischer Staat heute nach wie vor existentiell bedroht ist und nicht nur geographisch sondern auch politisch weltweit - mit Ausnahme der USA - ausschließlich von Feinden umgeben ist. Durch diese prekäre Situation ist auch die Hoffnung der Zionisten obsolet geworden, dass durch die Gründung eines eigenen Staates der Antisemitismus verschwinden würde, dies ist jedoch nicht geschehen, der Antisemitismus reproduziert sich vielmehr geographisch, insbesondere in Deutschland, als sogenannte Kritik an Israel. Die Kritik, die in Deutschland an Israel geübt wird, hat allerdings selten etwas mit der

 

konkreten Regierungspolitik Israels zu tun, viel aber mit Ressentiment.

 

Der Antisemitismus, also der klassenübergreifende Kitt der die deutsche Volksgemeinschaft zusammengehalten hat und dessen bisher extremster Ausdruck die Shoa war, ist mit dem 8. Mai 1945 nicht besiegt worden. Zwar sind heute explizit antisemitische Äußerungen in der politischen Öffentlichkeit noch geächtet, allein wegen des Ansehens im Ausland, aber der Antisemitismus hat überlebt einige Metamorphosen hinter sich und als sekundärer Antisemitismus (u.a. als Antizionismus) richtet er sich nun gegen diejenigen, die nur durch Zufall lebend der Vernichtungsmaschinerie der Deutschen entgangen sind. Es sind gerade diese Überlebenden und ihre Nachfahren die immer wieder Ziel antisemitischer Aggressionen sind, denn ihre bloße Existenz erinnert die Deutschen jeden Tag aufs neue an ihre Verbrechen und verhindert so die öffentliche positive Bezugnahme auf das völkische Kollektiv.

 

Der Staat Israel, also der einzige Staat auf dieser Erde, der wirklich bereit und gewillt ist, Juden jederzeit militant vor Antisemitismus zu schützen zeigt den Deutschen jeden Tag aufs Neue ihre Schuld und ist deshalb immer wieder Ziel der deutsch-völkischen Argumentation. Und es liegt auf der Hand, dass weil Antisemitismus und Vernichtung in Deutschland ein arbeitsteiliges völkisches Projekt ist, die Linke natürlich nicht fehlen darf.

 

“Es ist die Linke, die mit steil abweisender Gebärde abzulehnen hat, dass der Antisemitismus dürftig maskiert als Antizionismus wieder respektabel wird.” (Jean Améry)

 

Gemeinhin gilt die Linke immer noch als fortschrittliche und emanzipatorische Kraft der Geschichte, doch gerade im Verhältnis zum Staat Israel offenbaren große Teile der  deutsche Linken immer wieder ihre antisemitische Geschäftsgrundlage. Zwar beteuern viele  Menschen, die sich selbst antifaschistisch nennen, dass Israel ein Existenzrecht habe. Was davon zu halten ist zeigt sich aber immer dann, wenn Israel durch polizeiliche und militärische Aktionen versucht die faschistischen Terrorstrukturen von Hamas, Islamischen Dijhad oder der Al Aksa-Brigaden zu zerschlagen und somit seine Existenz und das überleben seiner Bürger zu sichern. Doch wenn dieser militärische Selbstschutz negiert wird, wie so oft in der Linken, dann wird aus der Beteuerung das Israels ein Existenzrecht hat, ein Lippenbekenntnis: Antisemitismus, der sich selbst Antizionismus nennt, ist nichts anderes als die Intention den israelischen Staat zu zerstören!

 

Schuld für die jegliche Eskalation im Nahen Osten ist für diese “Linken” immer das imperialistische Israel. Deswegen haben sie Verständnis für die palästinensischen Selbstmordattentäter, die sich als lebende Bomben in Cafés, Bussen und Restaurants in die Luft sprengen um unterschiedslos so viele ZivilistInnen wie möglich mit in den Tod zu reißen, aber nicht dafür, dass der Staat Israel (und jeder andere Staat in vergleichbarer Situation eben auch) nicht tatenlos dabei zusehen kann und darf, dass in aller Regelmäßigkeit seine Bürger Opfer dieser antisemitischen Massaker werden.

Es ist eben diese deutsche Linke die bereit ist, wenn es gegen Israel geht, das Bündnis mit jenen palästinensischen und islamistischen Organisationen einzugehen, die sich mit aller Gewalt gegen jegliche Form der menschlichen Emanzipation stellen und alles was sich nicht dem islamistischen Tugendterror unterwirft - seien es Homosexuelle, emanzipierte Frauen oder überhaupt alle, die ihr persönliches Glück außerhalb dieser repressiven Religions- und Volksgemeinschaft suchen - aufs grausamste verfolgt.

 

“Der Antisemitismus und der Antizionismus speisen sich aus dumpfen Ressentiments - Ressentiments gegen Zivilisation und Individualität, gegen Intellektualität und Liberlität, gegen Ausschweifung und Freizügigkeit, gegen Bürgerlichkeit im ursrünglichen Sinne und gegen Kommunismus im einzig emanzipativen Sinne, nämlich der Herstellung der Möglichkeit individuellen Glücks als absoluter Gegensatz zum völkischen Identitätswahn.” (Stephan Grigat)

 

Anstatt zu erkennen, dass der politische Islam offensichtlich spätestens seit dem 11.9.01 im derzeitigen Zustand der Welt die größte neofaschistische Gefahr darstellt, und sich auf die Seite derjenigen zu stellen, die gewillt und in der Lage sind, den islamistischen Faschismus wirksam zu bekämpfen, also in erster Linie Israel, und ob es einem gefällt oder nicht, die Vereinigten Staaten von Amerika, hat diese Linke nichts besseres zu tun als genau mit jenen palästinensischen und islamistischen  Kräften das anti-emanzipatorische und antisemitische Bündnis einzugehen. Anstatt den Antisemitismus in jeder Form konsequent zu bekämpfen und der Bevölkerung in den arabischen Staaten bürgerliche Gesellschaften, also jene Gesellschaftsform, die überhaupt erst die Möglichkeit eröffnete, an die menschliche Emanzipation zu denken, zu wünschen und somit die theoretische Möglichkeit für den Kommunismus aufrechtzuerhalten, ist diese (sich antifaschistisch nennende) Linke lieber bereit faschistische Diktaturen gegen den “US-Imperialismus” zu verteidigen. Wenn sich die antiimperialistische Linke also gegen die Einführung bürgerlicher Verkehrsformen stellt, verwirft sie schon die Möglichkeit der Befreiung.

 

Angesichts der weltweiten Regression sollte es aber gerade die Aufgabe der emanzipatorischen Linken sein, die letzten Restbestände von Vernunft und Kritik aufrecht zu erhalten. Für eben solche Linke, kann es deswegen nur eine Möglichkeit geben: “Für Israel oder den globalen Faschismus, dazwischen gibt es nichts mehr.” (Justus Wertmüller, Bahamas Nr. 38)

Deshalb ziehen wir die Konsequenz in Deutschland tagtäglich den Staat Israel gegen seine Feinde, egal mit welcher Motivation sie antreten, zu verteidigen, denn die Existenz Israels mahnt auch heute nach wie vor die Aufgabe einzulösen, den Zustand der klassen- und grenzenlosen Weltgesellschaft herbeizuführen und so dem Faschismus und Antisemitismus die Grundlage zu entziehen, einen Zustand also “in dem man ohne Angst verschieden sein kann.” (Adorno)

 

 

 

 

 

Solidarität mit Israel!

Für den Kommunismus!

 

Antifaschistische Aktion Nordfriesland [AAN]                                             Oktober 2003       www.nadir.org/aan