31.01.2004 Hamburg: Turn Left / Smash Right
Naziaufmarsch verhindern


Am 31.01.2004 wollen Nazis durch Hamburgs Strassen marschieren um gegen die Wehrmachtsaustellung des Hamburger Institutes für Sozialforschung (HIS) zu demonstrieren. Überall, wo sie öffentlich auftreten, gehören sie bekämpft, da die Affirmation des Nationalsozialismus das offensivste Bekenntnis zu Deutschland und gegen die Menschheit ist.

Der Naziaufmarsch startet um 12:00 Uhr am U-Bahnhof Mundsburg. Von den Nazis ist es geplant, in der Nähe der Wehrmachtsausstellung (Kampnagel) eine Kungebung abzuhalten.

An diesem Tag wird es eine Bündnisdemo geben, die um 11:00 Uhr am U/S-Bahnhof Barmbek starten wird.

Über den Tag hinweg (ab 9:00 Uhr) wird es auf FSK 93.0 Informationen über den aktuellen Stand auf der Strasse geben. Daher der Aufruf, bringt Radios mit und hört an dem Tag Radio und werdet aktiv!

mehr infos unter: http://www.antifa-hamburg.com/

Im Folgenden der Aufrug der Antifa Hamburg:

Am 31.01.2004 wollen Nazis durch Hamburgs Strassen marschieren um gegen die Wehrmachtsausstellung des Hamburger Institutes für Sozialforschung (HIS) zu demonstrieren. Diese war nicht nur ein Publikumsmagnet für Millionen von Deutschen, sondern auch Auslöser für eine Debatte, die weder vor Bundestag noch dem heimeligen Familienidyll halt machte. Von Beginn an war sie heftigen Anfeindungen von Rechts bis ganz Braun ausgesetzt, die in einer der größten nazistischen Mobilisierungen der letzten Jahrzehnte mündeten. Mittlerweile ist sie fester Bestandteil der politischen Identität der Berliner Republik: Die konservativen Kritiker sind verstummt, nur der besonders dumpfe deutsche Mob scheint die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben und stößt, so wie bei ihren Protesten in Peenemünde auf Unverständnis der Ausstellungsmacher: ?Sie eigne sich (auf Grund der Überarbeitung) auch nicht mehr als Zielscheibe gewalttätiger Rechtsextremisten und berühre keine nationalkonservativen Empfindlichkeiten , so in einer Presseerklärung des H.I.S. zu den Peenemündener Ereignissen.


Die Volksgemeinschaft in der Gruppentherapie

Auf den ersten Blick scheint es verwunderlich zu sein, dass eine Ausstellung die explizit die Täter, den lieben Opi und seine Wehrmacht als Teil des wahnhaften antisemitisch-völkischen Vernichtungskrieges thematisiert, zu neuem deutschen Bewusstsein führt. Als 1995 die erste Auflage der Ausstellung ?Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944? eröffnete wurde, entzündete sich eine Debatte über den Mythos der ?sauberen? Wehrmacht. Konservative wurden schmerzlich an ?die Geschichte , die nicht vergehen will? (Nolte) erinnert - um so mehr wetterten sie im Bündnis mit Nazis gegen einen ?moralischen Vernichtungsfeldzug gegen das deutsche Volk...? (Gauweiler,CSU-Funktionär,1997).So demonstrierten sie 1997 zu Tausenden gemeinsam in München gegen die Ausstellung. Doch ihre Sorge um nationale Identität war nicht berechtigt, denn diese neu zu definieren hatten sich andere zur Aufgabe gemacht. Die dem unheimlichen Aufmarsch in München folgende Bundestagsdebatte kam einer Familientherapiesitzung gleich, es brach die Zeit der großen Gefühle an: Christa Nickels, grüne Bundestagsabgeordnete, erzählte unter Tränen von ?Papa?. Bei der SS sei er gewesen. ?Was in Majdanek passiert war?, sei ebenso schlimm wie dass, ?was man mit Männern, zu denen auch mein Vater gehört hat, gemacht hat?. Die Anerkennung der Tatsache ,das es so was wie die ?Verbrechen der Wehrmacht ? gegeben hat, war nicht umsonst. Im Tausch für das Eingestehen der Gräueltaten konnte nun vom Leid der Täter gesprochen werden. Johannes Heer, der damalige Ausstellungsleiter, jammerte auch sogleich über deutsches Leid, wie etwa ?die ungeheuren Strapazen dieses Krieges, nicht nur die physischen, auch die psychischen, etwa der Tod der Kameraden?. Die Therapie zeigt erste Erfolge. Das Schweigen zwischen der Tätergeneration und deren Kinder wurde gebrochen. Im trauten Familienkreis oder bei Guido Knopp als Zeitzeuge wurde mit den Schlächtern von einst mitgefühlt und der Wunsch nach Versöhnung schien erfüllt. Die 68er ,als Generation der Täterkinder, konnten das deutsche Erbe antreten.

Aus der Krankheit eine Waffe machen

Dass ?noch unverfrorener als die Verharmlosung der Vergangenheit nur der Wille ist, aus einer nicht verharmlosten Vergangenheit nationales Selbstbewusstsein zu schöpfen?, stellte schon der Publizist Wolfgang Pohrt anlässlich des Historikerstreites in den 80er Jahren fest und nahm damit rot-grüne Geschichtspolitik vorweg, die aus einem scheinbar negativen Geschichtsbezug nationale Identität begründet. Die Wehrmachtsausstellung, ermöglichte den ?Dialog der Generation?, der in der Versöhnung mit den Tätern endete. Die Vorraussetzung, das Erbe der Nazigeneration anzutreten wurde geschaffen. Mit dem rot-grünen Regierungswechsel wurde erfolgreich der geschichtspolitsche Reformstau angegangen: Großdeutsche Außenpolitik wurde nicht mehr trotz, sondern wegen Auschwitz geführt. Unter der Kohl-Regierung schien ein Krieg gegen ein Land, wo die Wehrmacht Hundertausende massakriert hatte, noch unmöglich und außenpolitische Ambitionen konnten nur sehr vorsichtig formuliert werden. Rot-Grün besaß dagegen jene Glaubwürdigkeit, die nötig war, um die deutsche Vergangenheit zu entsorgen, und sie gleichzeitig für die Propaganda eines Angriffkrieges zu recyceln : Im Kosovo-Krieg wurde nicht ein souveräner demokratischer Staat angegriffen, sondern das Spiegelbild des Nationalsozialismus bzw. ?die Fratze der eigenen Geschichte? (Rudolph Scharping). In Ex-Jugoslawien besiegte man also erfolgreich die eigene Vergangenheit. Aus der Frage nach deutscher Schuld wurde die Frage nach deutscher Verantwortung. Wie kriegskompatibel die Wehrmachtsausstellung ist, zeigte sich bei der Eröffnung in Köln während des Kosovokrieges. Obwohl einer ihrer Schwerpunkte der Vernichtungskrieg der Wehrmacht auf dem Balkan war, konnte die damalige Oberbürgermeisterin Canisius (SPD) unwidersprochen ?unsere Bundeswehr? abfeiern, die versuche ?mit Waffengewalt eine Schneise zum Frieden zu schlagen. Lassen Sie uns auch in diesem Geiste des Schutzes der Menschenwürde die heutige Ausstellung betrachten?.

Ein Kessel Buntes deutscher Gefühle

Auf dem Höhepunkt der Versöhnung der Generationen und vor allem mit sich selbst, fanden konservative Kritiker wieder Gehör. Die Ausstellung hatte ihre Schuldigkeit getan und wurde erst einmal in Revision geschickt. Herauskam eine abgemilderte, weniger polarisierende Neuauflage, die nun auch in das bunte Geschichtspotpourri von Peenemünde passte. Peenemünde war die vorletzte Station der Ausstellung und zugleich Spiegelbild der aktuellen geschichtspolitischen Debatten. Mit einem ?Kombi-Ticket? konnte man dort deutsche Ingenieurskunst der V2-Raketenschmiede und deutsche Kriegskunst in der Wehrmachtsaustellung bewundern. Das Rahmenprogramm bot zudem noch die Gelegenheit deutsches Leid auf Veranstaltungen wie ?Stalingrad ? Erzählen aus dem Kessel? oder ?Erinnern an Bombenkrieg und Vertreibung? zu bedauern. Die Opfer des deutschen Wahns kommen nur am Rande vor, wie etwa die 20.000 Toten Zwangsarbeiter, die für den Raketenbau ihr Leben lassen mussten.

Keine Träne für Deutschland

Wenn am 31.01.2004 die Nazis wieder marschieren wollen, so ist das kein folkloristischer Beitrag im bunten Rahmenprogramm der Ausstellung. Mit ihrem ungebrochen positiven Bezug auf den Nationalsozialismus ist mit ihnen zur Zeit keine deutsche Realpolitik zu machen. Ihre strikte Ablehnung der ?abstrakten Schuldanerkenntnis? (Jacob/Sznaider) hat ihren Preis: Sie können nicht glaubhaft, wie Jörg Friedrich, es in seinem Buch ?Der Brand? tut, deutsche Luftschutzkeller zu ?Krematorien? und ?Gaskammern? verwandeln. So sind sie nicht andockfähig an die Prämissen der Berliner Republik. Ihnen bleiben zur Zeit nur ihre ?nationalbefreite Zonen?, wo sie jene jagen und ermorden, die nicht in ihre kleine Streichholzkastenwelt passen. Überall, wo sie öffentlich auftreten, gehören sie bekämpft, da die Affirmation des Nationalsozialismus das offensivste Bekenntnis zu Deutschland und gegen die Menschheit ist.

Damals wie Heute - Game over Krauts!

Naziaufmarsch verhindern!

Bringt Radios mit und hört FSK 93.0 ab 9 Uhr!

#Infos unter www.antifa-hamburg.com und FSK 93.0

bad weather [antifaschistische gruppe hamburg] //dezember 03