Aufruf zur Manifestation in Buchenwald am Sonntag 9. April 1995 Schon frhzeitig m”chten wir auf die Feiern zum 50. Jahrestag der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945/1995 hinweisen. Wir rufen alle Antifaschistinnen und Anti- faschisten auf, mit uns nach Buchenwald zu fahren. Wir wissen, daá die Entfernung groá ist, die Anstrengung fr den/die Einzelne(n) betr„chtlich sein wird. Aber es wird eine der wichtigsten Demonstrationen der 90 er Jahre werden. Warum? Das KZ- Buchenwald ist allen Rechten, Reaktion„ren und Faschisten ein Dorn im Auge. Sie k”nnen nicht ertragen, daá KZ- Insassen nicht nur Opfer waren, sondern aktiv Widerstand leisteten, daá Widerstand unter den schwersten Umst„nden dennoch erfolgreich sein kann, daá dieser Widerstand von Kommunisten geleitet wurde, daá die Erfahrungen der KZ-Haft zu dem nicht mehr zu tilgenden Schwur von Buchenwald fhrten, der zur Richtschnur von Millionen Menschen wurde, unabh„ngig von parteipoliti- scher Orientierung und Nationalit„t. ,Die Erhebung Deutschlands kann nur auf den Trmmern der Gedenkst„tten erfolgen". Dies hatten die Faschisten nach 1945 zu ihrem Programm erhoben. Nach 1989 hatten die Reaktion„re erstmals Zugriff auf die Gedenkst„tte Buchenwald. So schnell sie konnten entfernten sie die Teile der Ausstellung, die zeigten, daá die Nazi- Verbrecher in West- deutschland wieder Karriere gemacht hatten. Es wurde versucht, ber die Totalit„ris- musthese den Charakter der Gedenkst„tte zu ver„ndern, die Verbrechen der Nazis zu re- lativieren. Die Tatsache der Umsetzung alliierter Beschlsse durch die Sowjetunion, die zur Internierung vieler Nazis, aber auch einiger Unschuldiger fhrten, muáte dafr herhalten, die Grausamkeiten der Faschisten in eine Kette beliebiger Grausamkeiten einzuordnen. In einem von der ™ffentlichkeit zu wenig beachteten einsamen Kampf haben die šberle- benden des KZ- Buchenwald viele dieser Angriffe zurckweisen k”nnen. Trotz der gelichteten Reihen, trotz ihrer Gebrechlichkeiten aufgrund der Haft und des Alters, trotz der lebenslangen Diskriminierungen, die sie zumindest in Westdeutschland erleiden muáten war es vor allem die internationale Solidarit„t, vor der die Reaktion immer wieder kapitulieren muáte. Nunmehr wird zum vorerst letzten Schlag gegen die šberlebenden ausgeholt. Was die Fa- schisten nicht schafften, was Neonazis nicht gelang, was konservative Regierungen resi- gnieren lieá, das sollen jetzt sozialdemokratische Historiker leisten:: die Geschichte auf den Kopf stellen, die KZ-Insassen als M”rder denunzieren. Gefunden wurden Akten aus dem Archiv der SED, aus denen hervorgeht, daá die Kommunisten Untersuchungen durchgefhrt hatten, inwieweit KPD -H„ftlinge in Buchenwald ihre Stellung im Widerstand ausgenutzt hatten, sich zu bereichern oder gar an Grausamkeiten beteiligt waren. Die Tatsache dieser Untersuchungen und einger weniger Verurteilungen durch Parteigerichte der SED sollen nun beweisen, daá die Kommunisten Verbrechen begangen h„tten, gegen die die Verbrechen der Nazis geradezu harmlos erscheinen sollen. .Selten hat es etwas widerw„rtigeres gegeben als diese neue Kampagne, die in der FAZ, der Nationalzeitung und ,Junge Freiheit" abgefeiert wird. Die Manifestation am 9. April in Buchenwald wird wahrscheinlich zum letzten Mal die šber- lebenden des KZ aus allen europ„ischen L„ndern zusammenfhren. Wir sollten ein Zeichen der Solidarit„t mit den letzten šberlebenden setzen, zeigen, daá ihr Leiden und ihr Kampf nicht umsonst waren und daá wir bereit sind, uns fr ihr Verm„chtnis mit den Regierenden, mit den Reaktion„ren aller Schattierungen weiterhin anzulegen. NO PASARAN ! Programm So. 9. 4. 1995 11.00 Uhr Einweihung eines Denkmals fr die Sinti und Roma am ehemaligen Block 14 14.00 Uhr Manifestation auf dem Appellplatz, auf dem am 19. April 1945 der ,Schwur von Buchenwald" zum ersten Mal gesprochen wurde. : ,Wir schw”ren deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser St„tte des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der V”lker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist uunsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angeh”rigen schuldig." Sprecher der Manifestation : Elie Wiesel, ehemaliger Buchenwaldh„ftling und Friedensnobelpreistr„ger, Pierre Sadreau, Ludger Aicher, Neffe von Hans und Sophie Scholl, Pierre Durand, Pr„sident des internationalen Buchenwaldkomitees. Kontakt: VVN-Bund der Antifaschisten, Kreisverband Aachen, Kurt Heiler, Augustastr. 32/34, GBR 52070 Aachen, Tel./Fax 241-503429, E-Mail Com-link K.Heiler @ NAD- MEER.ZER Spenden mit dem Vermerk ,Buchenwald" werden an das internationale Komi- tee weitergeleitet. Kto Detlef Peikert, Nr. 1026900100 bei BfG Aachen Blz. 39010111. Abfahrt: Aachen, Alter Bushof Peterstr. um So.00.00 UHR, Karten nur im Vor- verkauf DM 40,00 bis zum 31.3.95. Wer eine Karte spenden will, damit wir den Platz an eine/mehrere VertreterInnen der Roma Union Grenzland weitergeben k”nnen, bitte auf šberweisung den Zusatz ,ROMA" angeben. Danke Veranstaltungshinweis: Am Freitag, 31.3.1995 (Termin ge„ndert!) spricht der Frankfurter Autor Horst Gobrecht um 19.00 Uhr im Ch‚, Pontstr. Gobrecht hat gerade ein Buch ber den Lager„ltesten Hans Eiden unter dem Titel ,Eh die Sonne lacht" herausgebracht. Er wird in der Diskussion auch zu den neusten Anfeindungen und Machenschaften (s.o.) gegen die Lagergemeinschaft berichten. ## CrossPoint v3.0 ##