Absender : M.BLUMENTRITT@CL-HH.comlink.de (Martin Blumentritt) Betreff : Der Judenreferent und Antisemit Wolffsohn Datum : Mi 24.05.95, 23:00 (erhalten: 26.05.95) ---------------------------------------------------------------------- Argumente gegen rechts 73 Der Judenreferent ___________________________________________________________________ Wenn die Deutschen einen brauchen, der ihnen Schuldgefhle ausredet oder ihnen versichert, daá hinter Nazis eigentlich Kommunisten stecken, dann nehmen sie gern den Professor Michael Wolffsohn __________________________________________________________________ Noch ist der alte Mertes nicht dort, wohin Nachrichtenverf„lscher geh”ren, da ist ein junger šbermertes schon da: Andreas B”nte hat schon vor dem Mertes-šbertritt zum Springer-Fernsehen Sat1 die Moderation von "Report"-Mnchen bernommen und das Jahr 1993 mit einem energischen Pl„doyer fr den weltweiten Einsatz der Bundeswehr er”ffnet. Mit der Parole "Alles Lug und Trug" entzog er der grndlich vergangenen DDR ihr antifaschistisches Grundverst„ndnis("Rechtsextremismus hat es auch in der DDR gegeben") und entdeckte in ihr den Drahtzieher der bundesdeutschen Neonazis - seit den fnfziger Jahren. "In einer groáen antisemitischen Welle wurden 1959 berall in der Bundesrepublik Judenfriedh”fe gesch„ndet", enthllte "Report" und pr„sentierte den allerbesten Zeugen, den es dafr gibt: Professor Dr. Michael Wolffsohn, den Mann, den Ignaz Bubis nicht ohne historischen Bezug als "Judenreferenten" der deutschen Medien qualifiziert hatte, saá im Studio. 1947 in Israel geboren, lebte er seit 1954 in Deutschland. 1981 wurde er Professor fr Neuere Geschichte an der Universit„t der Bundeswehr in Mnchen. Intelligent ist er wirklich nicht, aber sehr anstellig. Durch die Gnade seiner sp„ten Geburt ist Wolffsohn den Mordfabriken der Nazis entkommen und will als Nachgeborener "nicht Coupons vom M„rtyrertum der Vorfahren abschneiden" - merke: Juden sind Coupon-Schneider, die von allem und jedem profitieren wollen, und Wolffsohn ist nicht der erste jdische Antisemit. Dieser freundliche, gef„llige und zu allem zu gebrauchende Mann also saá beim Bayrischen Rundfunk im Studio und war der Zeuge, der gerade ben”tigt wurde. Denn "Report" verkndete: In einer "groáen antisemitischen Welle" h„tten Stasi und auch KGB schon 1959 "berall in der Bundesrepublik Judenfriedh”fe gesch„ndet". Beweis? Bitte sehr: "Akten, die der Zeithistoriker und seine Mitarbeiter gefunden haben, belegen: die Bundesregierung wuáte darber Bescheid." Akten? šber den Bildschirm rollt schnell ein Brief, aus dem ein Satz hervorgehoben wurde, von dem es im Brief hieá, "ein Funktion„r" habe ihn ge„uáert - "Report" f„lschte sich daraus einen "Stasi-Offizier" zurecht. Wortlaut des kenntlich gemachten Satzes. "Die antisemitischen Zwischenf„lle in Westdeutschland verlaufen ganz nach Wunsch. Westdeutschland ist vor der gesamten Welt”ffentlichkeit als faschistischer und militaristischer Staat bloágestellt worden." Ein Satz, der nichts beweist, denn selbst, wenn er authentisch w„re und auch wenn es diesen Funktion„r mit Namen und Anschrift gegeben h„tte, k”nnte er einfach nur bedeuten, daá der sich sarkastisch auszudrcken verstand. Doch der Brief verr„t ber die Quelle dieses Satzes nur: "Es handelt sich durchweg um sorgf„ltig ausgesuchtes und berprftes nachrichtendienstliches Material." Der Brief tr„gt die Absenderangabe "Bundesministerium fr Verteidigung" und ist an den Legationsrat Dr. Brand im Ausw„rtigen Amt gerichtet, aber er stammt - wie die Unterschrift verr„t, die nur erkennt, wer "Report" auf Video festhielt und sich in Zeitlupe nochmal anschaut - von des BND-Chefs Reinhard Gehlen rechter Hand, von General Gerhard Wessel, einem Mann, der so vertrauenswrdig ist wie sein Chef, Hitlers ehemaliger Ost-Spionagefhrer. Was von dem damals sicherlich sorgf„ltig ausgesuchten nachrichtendienstlichen Material ber kommunistische Drahtzieher der antisemitischen Schmierereien von 1959 zu halten ist, das Wolffsohn so beflissen auf den "Report"-Tisch legte, hat der Ex-Verfassungsschutzpr„sident Gnther Nollau 1978 in seinen Memoiren ("Das Amt") beschrieben. Nollau ber die Hakenkreuze und den Spruch "Deutsche fordern: Juden raus", mit denen 1959 die K”lner Synagoge beschmiert worden war: "Unser Amt untersuchte den Fall. Noch ehe wir fertig waren, behauptete Gehlens Organisation, die Hakenkreuze seien von der illegalen KPD geschmiert worden. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben nichts, was geeignet war, diese Information zu best„tigen. Meine Organisation hatte in der KPD Dutzende von Vertrauensleuten: ich lieá alle befragen. Keiner kannte Anweisungen der Partei, Hakenkreuze zu malen." Nollau lieá Tausende von Flchtlingen aus der DDR befragen. Einziges Ergebnis: Die Hakenkreuze hatte es auch in der DDR gegeben - wohl kaum auf Anweisung der Stasi. Schlieálich wurden zwei junge K”lner berfhrt, die Schmierereien an der K”lner Synagoge begangen zu haben - die anderen waren Nachahmungst„ter, die sich in einem solchen Fall immer schnell finden. Nollau: "Selbst diese eindeutigen Tatsachen veranlaáten Gehlens BND nicht, von seinen Falschmeldungen abzurcken, und ein Teil der damaligen Regierungsmitglieder untersttzte ihn dabei." Das Fazit des damals obersten Verfassungsschtzers: "Wer hierzulande Kommunisten als T„ter hinstellt, findet offensichtlich allemal Glauben, zumal er dann nicht zu erkl„ren braucht, warum es in unserem Lande, wenn auch vereinzelt, noch nazistische Spinner gibt." Daá die F„lscherzentrale in Pullach seit der Wende in Bonn wieder besonders aktiv ist, dafr gibt es viele Anzeichen. Dem Journalisten Peter-Ferdinand Koch, der fr sein Buch ber die "Hitler-Tagebcher" ("Der Fund") beim BND ber dessen Beziehungen zum "Stern" recherchierte, jubelte die Zentrale Papiere unter, aus denen hervorging, der "m„chtige F„lscher-Apparat der DDR" habe einen aus dem Jahre 1941 stammenden Brief des ehemaligen IG-Farben-Direktors und sp„teren Flick-Beraters Otto Ambros gef„lscht, um einen verdienten Industriellen in die N„he der SS und des Konzentrationslagers Auschwitz zu bringen. Dieser Brief lag schon 1946 im Nrnberger Kriegsverbrecher-Prozeá vor, als es noch l„ngst keine DDR gab. Natrlich ist er authentisch. Und der junge, vielversprechende CDU-Abgeordnete Stefan Schwarz, der Nachrichten verbreitet, denen zufolge Serben Kinder lebendigen Leibes schmoren und moslemischen Frauen Hunde-Embryos in die Geb„rmutter pflanzen, der somit Mengele und die Nazis in Jugoslawien entdeckte, damit deutsche Milit„rs nach sechzig Jahren zur Abwechslung mal gegen sie marschieren k”nnen, bekannte in einer RTL-Schrei-Sendung ungeniert, daá er seine Weisheit vom BND beziehe - ehe er unter Protest den Raum verlieá. Der Bundeswehrhistoriker Wolffsohn muáte beim ”ffentlich-rechtlichen Bayernfunk nicht davonlaufen. Dort weiá man sein Talent zu sch„tzen. Nachdem mit seiner Hilfe sorgf„ltig dokumentiert war, daá schon die Rechtsextremisten von 1959 in Wirklichkeit Kommunisten waren, fragte "Report": "Stasi und Rechtsextremismus ein abgeschlossenes Kapitel?" Wolffsohn gab brav die richtige Antwort: "Aufgrund der historischen Erfahrungen und Dokumente ist zu fragen und zu prfen, ob nicht Stasi-Drahtzieher hinter den Kulissen die rechtsextremen Schandtaten von heute mitsteuern." "Report" hat sich nichts vorzuwerfen - politisch liegt die Sendung richtig. Bei Wolffsohn, der sich immer noch als Historiker versteht, ist allerdings zu fragen, wie es bei solchem Umgang mit "Quellen" mit seiner wissenschaftlichen Seriosit„t bestellt sein mag - neuerdings wird so etwas in deutschen Landen evaluiert. Doch fr eine Bundeswehr-Universit„t ist das, was Wolffsohn zu bieten hat, allemal ausreichend. Hauptsache, das Ergebnis der wissenschaftlichen Bemhung paát, und daran l„át er's nicht mangeln. "Keine Angst vor Deutschland" - so heiát das Hauptwerk des Bundeswehrhistorikers Wolffsohn. Und wie beraus gnstig, daá der unentwegt bekennende "deutsch-jdische Patriot" hierzulande so viele Freunde hat, Freunde mit erster Adresse wie der K”nigstraáe 51 in Breitbrunn. Dort residiert die "Deutschlandstiftung e.V." des Alt-Antisemiten Kurt Ziesel. Helmut Kohl erregte einen Skandal, als er bei seinem Israel-Besuch 1983 diesen Frhnazi und Neochristdemokraten ins Land einschmuggelte. Neun Jahre sp„ter, um Frhling 1992 nahm Ziesel Revanche. Er dekorierte - als Aushilfsjuden vom Dienst - Michael Wolffsohn mit dem "Konrad-Adenauer-Preis" der "Deutschlandstiftung e.V." Formuliert war das so: Wolffsohn bekomme den Preis "in dankbarer Wrdigung" seines "wissenschaftlichen und menschlichen Wirkens" als "deutsch-jdischer Patriot", der in der "Vers”hnung" zwischen Deutschland und Israel "gegen die Str”mungen eines unbelehrbaren Zeitgeistes" seine "Aufgabe" als "Professor der Neueren Geschichte" sehe. Professor Wolffsohn paát Ziesel. Denn er geh”rt - Bundeswehrdozenten sind dort immer willkommen - zur Einsatzgruppe Zitelmann, die als militanter Arm Ernst Noltes in groáangelegten S„uberungsmaánahmen das deutsche Geschichtsbild zu reinigen versucht. Wolffsohn lebt - wie viele Mitglieder der Truppe - mit Zitelmann in einer glcklichen und erfllten Rezensentenehe. Lobt Zitelmann in der "Sddeutschen Zeitung" Wolffsohn fr seine F„higkeit "allzu verbreitete Stereotypen und Klischees" zu entlarven, preist Wolffsohn in der "Welt" seinen Zitelmann als "kenntnisreichen Hitler-Biograph[en]", weil der doch tats„chlich den "Revolution„re " Hitler wiederentdeckte. Und so lobt und preist sich, was zusammengeh”rt. "Keine Angst vor Deutschland" - Wolffsohn sieht seine Hauptaufgabe darin, das Ausland zu beruhigen: Nicht mehr der "Platz an der Sonne" erstreben die Landsleute, nicht mehr den "Lebensraum" im Osten, nein, "die Menschen" im "neuen Deutschland" suchten nur, so kalauert er das Ausland still, "ihr Pl„tzchen an der Sonne, im Sden", und brauchten dazu am jeweiligen Strand "kaum mehr Platz als eine ™lsardine in der Dose". Und die Vereinigung dieser "Menschen" im "neuen Deutschland" sei ungef„hrlich: "Die Westler wollen weiter Kiwis, die ™stler endlich Bananen essen." Die Deutschen h„tten, so schreibt er auf Kanzler-Deutsch, ihre "Lektion gelernt". "Keine Angst vor Deutschland" - seit er dieses Buch ver”ffentlichte (im Straube-Verlag, der auch den bayrischen Rep Klaus Zeitler herausbrachte) ist Wolffsohn auf s„mtlichen Fernsehkan„len vom Aushilfsjuden zum Juden vom Dienst aufgestiegen. Dieser Mann, der schon lange aus der Jdischen Gemeinde ausgetreten ist, wird allberall in Talkshows, Brennpunkten und Ichstellemichs als wahrer Sprecher der deutschen Judenheit pr„sentiert - pflegeleicht, bequem und fr ganz wenig zu allem zu haben. Keine Angst vor Deutschland - wirklich nicht? "Fr mich ist eine Welt zusammengebrochen", klagte Wolffsohn am 8.November '92 in der ARD. Vor kurzem habe er noch sein Buch "keine Angst vor Deutschland" aktualisiert. Doch was er heute habe sehen mssen - das entmutige ihn doch sehr. Was war passiert? War es die "Deutsche Oktoberrevolution"(Wolffsohn) der "Wir-sind-ein-Volk"-Rufer, die im September 1991 Hoyerswerda erreichte? Waren es die Brandfackeln von Rostock? Nein, das alles „ngstigte ihn nicht. Es war die Demonstration gegen Ausl„nderfeindlichkeit in Berlin. Wolffsohn emp”rte daran nicht die Heuchelei, mit der die Verfassungsfeinde, die den Asylparagraphen abschaffen, zur Teilnahme an dieser Demonstration aufriefen, ihn verdroá nicht, daá Helmut Kohl mitmarschierte, ihn erregte nur, daá einige der 300 Gegendemomstranten mit Eiern und Steinen warfen. Nicht die M”rder und Mordlustigen von Hoyerswerda, Rostock und anderswo machten ihm Angst, nur die 300 von Berlin. Jetzt verlangt er, daá die "demokratischen Politiker" sich zusammenfinden mssen, "um diesen militanten, terroristischen Randgruppen dahin zu bringen, wohin sie geh”ren, n„mlich hinter Schloá und Riegel". Die Veranstaltung der 300.000 von Berlin - von Wolffsohn als Dauerkommentator der ARD begleitet und bundesweit denunziert - war fr ihn "ein groáer Fehlschlag". Berlin - nicht Rostock, nicht Hoyerswerda und wohl auch nicht M”lln - Berlin allein war "ein rabenscharzer Tag fr das demokratische Deutschland". Jetzt fordert er pl”tzlich "schnelle Maánahmen". Und das "Gewaltmonopol des Staates", das sich in Rostock verdrckt hatte, hier wollte er es "wirksam werden lassen". Dieser "deutsch-jdische Patriot", dessen deutschnationale Welt nicht in Rostock, sondern in Berlin zusammenbrach, bekommt seinen Lohn von denen, die von Anfang an aus ehrlichem Haá gegen eine durchrasste Gesellschaft die Groádemonstration von Berlin ablehnten. Peter Gauweiler, der echte Extremist in der CSU, hat Wolffsohn fr den einfluáreichen Posten des Kulturreferenten der Stadt Mnchen vorgeschlagen. Otto K”hler in: Konkret 2/93